| Mesopotamien - Schauplätze | ||
(altpers.; arab. Didschla o. Dijla, Dijlah, auch Dicle Nehri, Dijlah, Dikris, Hiddekel, Hiddekil, Nahr Dijlah, Shatt Dijla, Tigre, Tigri; wohl ältester Name des Flusses ist Idiglat, wie die Obed-Leute den Fluß nannten) Ein etwa 1.950 Kilometer langer Fluß in Vorderasien, der am Göldschiksee (im Antitaurus, Türkei) entspringt und mit dem Euphrat die ebenen Schwemmlande Mesopotamiens bildet, ehe er mit diesem als Schatt-al-Arab in den Persischen Golf mündet. Wichtige Nebenflüsse des Tigris sind der Diyala, der Große Zab und der Kleine Zab. Der Tigris ist wie der Euphrat Nässespender uralten Kulturlandes.
An seinen Ufern, die teilweise gegenüber dem heutigen Verlauf des Flusses verschoben sind, liegen bedeutende Ruinenstätten der antiken Städte Ninive, Nimrud, Assur, Seleukeia und Ktesiphon. Größere Städte am Tigris sind heute Diyarbakar in der Türkei, Mosul, Samarra, Bagdad und Kut im Irak.
Nach mesopotamischen Mythos entspringen Tigris und Euphrat beide den Augen der Urgöttin Tiamat, welche Marduk getötet hatte und aus ihr Himmel und Erde formte (STORM, 80).
Den Griechen galt der Tigris wie sein Bruder Euphrat als Sohn des Pontos und der Thalassa.
Die biblische Genesis nennt den hier Hiddekel genannten Tigris, der vor Assyrien herfließe, als drittes der vier Wasser (Flüsse) des Paradieses (1. Mose 2,14).
Gott soll dem Tigris seinen Namen gegeben haben, damit wir von dir auf die Dreieinigkeit gleichen Wesens im Himmel hingewiesen würden (Bartholomäus-Evangelium, in: WEIDINGER, 502).
Laut dem Leben Adams und Evas, einer apokryphen Schrift zum Alten Testament der Bibel, fastete Adam nach dem Sündenfall zur Buße vierzig Tage im Fluß Jordan stehend, Eva sollte solches siebenunddreißig Tage im Tigris unternehmen, wurde aber nach achtzehn Tagen vom Satan, der sich die Gestalt eines Engels gegeben hatte, zum Abbruch der Buße beredet (Buße Adams und Evas, 6ff., in: WEIDINGER, 25).