Das Schwarze Netz - zum Anfangzurück
   Mesopotamien
 

Obed-Kultur

Nahe der späteren Stadt Ur, in El Obed, fand man die Zeugnisse einer über 7.000 Jahre alten spätjungsteinzeitlichen Kultur, die man nach diesem Fundort Obed-Kultur nennt. Funde dieser Kultur zeugen von Kenntnissen der Töpferkunst, man fand schwarz bemalte Keramiken aus grünlichem Ton, tönerne Sicheln mit Klingen aus Obsidian, Siegel und Steine mit geometrischen Mustern und Tonstatuetten weiblicher Körper, vermutlich Zeugnisse eines Fruchtbarkeitskultes.

Die Menschen der Obed-Kultur wanderten im frühen 5. Jahrtausend, wohl unter dem Druck der damals im Gebiet des heutigen Syrien blühenden Halaf-Kultur, in die fruchtbare Landschaft zwischen Euphrat und Tigris, von ihnen Buranum und Idiglat genannt, ein, lebten in Häusern aus lehmüberstrichenem Mattengeflecht, auch schon aus Lehmziegeln, und waren Träger einer ersten seßhaften bäuerlichen Kultur im südlichen Mesopotamien, die durch eindringende oder durchziehende Nomaden ihre Kenntnisse der Viehzucht erweitert und Handel zu treiben beginnt.

Verbreitet war in der Obed-Kultur die Töpferkunst, drei bedeutende Stätten wurden gefunden, Tepe Sialk am Westrand der persischen Salzwüste, auf dem Tell Halaf am Chabur (ein Nebenfluß des Euphrat) und in Samarra am mittleren Tigris. In kleinen Tempeln aus Lehm verehrte man eine Muttergöttin als Spenderin der Fruchtbarkeit, entsprechende Funde machte man im nordmesopotamischen Tepe Gaura oder weiter südlich in Eridu.

Hierher gelangten Mitte des vierten Jahrtausends die aus ungeklärter Ursache von Osten her einwandernden Scharen, die später als Sumerer bekannt wurden, die das von den Obed-Leuten begonnene Kulturwerk fortsetzten und zur frühen Hochkultur brachten.

Der Text folgt weitgehend: H. UHLIG: Die Sumerer. Ein Volk am Anfang der Geschichte, S. 14ff.