| Sumerer | ||
.(sumer. rechter Sohn, gr. Daozos) Ein Hirte, Bruder der Geshtinanna und der Belili, in den sich die Göttin Inanna verliebte und der durch sie vierter König von Uruk, und Fruchtbarkeitsgott, Herden- und Vegationsgott wurde. Er wurde von Inanna in die Unterwelt geschickt, sein alljährlicher Wiederaufstige symbolisiert das Verdorren und Wachsen der Natur (BELLINGER, 123).
Seine Attribute sind Schaf und Zicklein (UHLIG, 144).
Der Hirte Dumuzi und der Bauer Enkimdu verlieben sich beide in Inanna, die Liebesgöttin. Der Sonnengott Utu rät seiner Schwester Inanna, sich für den Hirten zu entscheiden, was diese zunächst ablehnt.
Je nach Lesart und Übersetzung (die Tafel mit dem Text ist sehr stark zerstört) setzt Inanna ihren Willen durch und heiratet nun den Bauern, ehe Enkimdu und Dumuzi einander versöhnt sind, oder diese beiden streiten sich, ehe der Bauer nachgibt und er Dumuzi zur Hochzeit alles Gute wünscht.
Dieser Ausgang der Geschichte ist für die spätere Ausgestaltung des Mythos bedeutsam, die Kern etlicher ähnlich anmutender Fruchtbarkeitskulte wurde. Demnach war Dumuzi durch die Heirat mit der Göttin zum König geworden. Als Inanna in die Unterwelt hinabgestiegen war und man sie schon für tot gehalten hatte, sie endlich aber doch zurückkam, befand sie, Dumuzi habe nicht um sie getrauert. Wütend verstieß Inanna ihren Gatten in die Unterwelt, mußte dann aber erkennen, daß ihr so der Same zur Fortpflanzung fehlte. Inanna mußte daher Geschtinanna, die Schwester des Dumuzi, jeweils die Hälfte des Jahres in die Unterwelt hinabschicken, damit sie derweil mit Dumuzi neues Leben hervorbringen kann.
Im sumerischen Kult begann mit dem Wiedererscheinen Dumuzis aus der Unterwelt das neue Jahr. Oben auf der Zikkurat von Uruk empfing Inanna Dumuzi zur Heiligen Hochzeit, nachvollzogen durch den König, der zur Oberpriesterin emporstieg.
Königslisten führen Dumuzi zwiefach, zum einen den vorsintflutlichen König Dumuzi von Badtibira, der 36.000 Jahre gelebt haben soll, zum anderen den nachsintflutlichen vierte König von Uruk, der ebenfalls Dumuzi genannt wird, aber nur 100 Jahre geherrscht haben soll und dessen Nachfolger Gilgamesch war.
Dumuzi ähnelt sehr dem akkadisch-babylonischen Tammuz. Parallelen gibt es zu einer Reihe weiterer sterbender und wiederbelebter Gatten von Fruchtbarkeitsgöttinnen. Beispielsweise kennt man in Ägypten den Osiris, in Griechenland den Adonis.
Der Streit zwischen Bauern und Hirten erinnert an den aus der Bibel überlieferten Zwist der Brüder Kain und Abel.
Man kann die Geschichte als Konflikt zwischen Städtern (der Bauer Enkimdu) und Nomaden (der Hirte Dumuzi) deuten, vielleicht sogar zwischen den Sumerern und den Bewohnern des Umlanders ihrer Städte.