| Skythen | ||
Scythen, Eigenbezeichnung Skoloten. Ein Reitervolk, das in den Steppen Eurasiens lebte. Sie gehörten zu den iranischen Völkern und nannten sich selbst Skoloten. Ab der ersten Hälfte des ersten Jahrtausends v. Chr. ließen sie sich im Schwarzmeergebiet nieder und kamen dort auch mit den Griechen in Verbindung. Diese und später auch die Römer bezeichneten noch andere, nichtskytische Völker als Skythen, die unter deren Herrschaft lebten.
513 vor unternahm der Perserkönig Darius I. vergeblich einen Vorstoß gegen die Skythen der südrussischen Steppe. Ende des vierten Jahrhunderts v. wurden die Skythen von den Sarmaten aus den Gebieten westlich des Don und von Phillipp II. von Makedonien (Vater Alexander d. Gr.) über die Donau verdrängt, einige Jahrzehnte später von den Sarmaten aus Südrußland.
Gemeinhin gelten die Skythen für ein nomadisch lebendes Volk, das in Wagen und Zelten (Jurten) lebte. Neuere Ausgrabungen in Barabinks, östlich vom Ural in Sibirien, legt aber den Schluß nahe, daß den Skythen auch in befestigten Städten mit Holzhäusern geläufig waren.
Sie betrieben Viehzucht: Pferde, Rinder und Schafe. Typische Tracht der Skythen waren anliegende, reich verzierte Röcke und Hosen, gelten von ledernem Gürtel, lederne Schuhe und Mützen als Kopfbedeckung. Die Bewaffnung bestand hauptsächlich aus Bogen und Kurzschwert.
Grabstätten waren Hügelgräber, deren hölzerne Grabkammer bei angesehenen Toten prächtig ausgeführt waren.
In der skythischen Kunst, deren Wurzeln in nordeurasiatischer Jägerkunst gesehen werden, ist das Tier das herrschende Motiv. Unter Einfluß der Sarmaten bildete sich das mehrfarbige Ornament heraus, gern verziert mit Edelsteinen. Besondere Blüte kunsthandwerklichen Schaffens wurde in den griechischen Städten an der Nordküste des Pontus erreicht. Einflüsse griechischer und iranischer Kunst führten zur skythisch-sarmatischen Kunst, die auch die Kunst der Kelten beeinflußte (Latènezeit) und die gotisch geprägte Kunst der Volkswanderungszeit sowie die islamische Kunst.
Eine griechische Geschichte über die Herkunft der Skythen erzählt, wie Herakles ins Land der Hyperboreer zog und sich dort auf seine Löwenhaut legte und einschlief. Als er erwachte, waren seine Pferde verschwunden. Er suchte sie und gelangte dabei in die Höhle, darin die Echidna hauste, ein Mischwesen aus Frau und Schlange, Tochter des Meergottes Phorkys und der Keto (bzw. der Gaía und des Tartaros) und Gattin des Typhon. Auf die Frage des Herakles, ob sie wisse, wo seine Pferde seien entgegnete sie ihm, sie wisse das wohl und die Pferde seien bei ihr. Herakles bekomme sie aber erst dann zurück, wenn er ihr beigewohnt habe. So geschah es und Herakles zeugte mit Echidna drei Kinder, Agathyrsus, Gelonius und Skythas.
Herakles hatte bestimmt, daß der stärkste der drei Herrscher werden solle. Zur Probe ließ er der Echidna seinen Bogen und seinen Gürtel. Nur Skythas gelang es, den Bogen zu spannen und den Gürtel nach Art des Herakles umzulegen und wurde so Urahn der Skythen.
Die Griechen zeichneten allerdings allerlei Völkerschaften als Skythen. Zu ihren Königen machten sie unter anderen den Lynkus.
Die Skythen kannten die Erdgöttin Artimpaasa und den Himmelsgott Papeus, weiter die Mondgöttin Apia, die Große Göttin Tabiti und den Sonnengott Oetosyrus.
Die Skythen werden auch in dem in der Bibel erwähnten Aschkenas identifiziert. Dieser Enkel Japhets und Urenkel Noahs entspreche als Mitglied der Völkertafel den Skythen. Nach Aschkenas werden später auch die aus Deutschland/Europa stammenden Juden Aschkenasim genannt.
Auf einen Plünderungszug der Skythen nach Ägypten (625 v.) sollen die Weissagungen über das Volk aus dem Norden beim Propheten Jeremia (4-6) hindeuten.