(Phöniker, Phönikier, Eigenbez. Kannanäer, Kanaaniter, bei Homer und bibl. Sidonier) Die Bevölkerung des Phönizien genannten Küstenstreifens, etwa das heutige Libanon (griech. Phoinike Land des roten Purpurs, die Bedeutung des Namens soll auch Land der Palme sein).
Etwa Ende des dritten Jahrtausends wanderten die Phönizier, deren Herkunft ungesichert ist und deren Namen laut griechischem Mythos von Phoenix, einem Sohn des Agenor von Tyrus, herstammt nach Syrien ein. Diese Herkunft leitet die Genesis der Bibel, die sie als Kanaaniter bezeichnet, von Kanaan her, dem Sohn des Ham (1. Mose 10,15-19), der wegen einer Untat von seinem Vater Noah zu einem Dasein als Knecht des Sem und des Japheth verflucht wurde (1. Mose 9,20-27).
Es heißt auch, die Phönizier seien Nachfahren sowohl der Kanaaniter als auch der Philister, welche zu den Seevölkern gehörten und die sich nach ihrer Landung in Palästina mit den aus den Innern Arabiens kommenden Kanaanitern vermischt hätten (J. SPANUTH, 1998, S. 46).
Phönizien war kein geschlossenes Staatsgebilde, vielmehr gab es einzelne Stadtstaaten mit kulturellen Gemeinsamkeiten, ähnlich etwa der Situation in Sumer oder Griechenland.
Wichtige Städte waren Byblos, Sidon, Tyros, Beirut, Berytos, Arados und Ugarit.
Bis etwa 1200 v. standen Phönizien unter kulturellem Einfluß Ägyptens, bis um diese Zeit der Seevölkersturm die Großreiche schwächte und den Stadtstaaten der Phönizier die Unabhängigkeit ermöglichte. Besonders Sidon, ab 900 v. Tyros konnten davon profitieren.
Die Phönizier waren bedeutend im Mittelmeerhandel, die sogar über Gibraltar hinaus den Atlantik befuhren und zahlreiche Kolonien an den Mittelmeerküsten gründeten. Als vorherrschende Seemacht wurden sie dann aber doch von den Griechen abgelöst. Phönizien geriet unter assyrische Herrschaft. Dennoch blieben die Phönizier bedeutend und stellten einen großen Teil der persischen Kriegsflotte.
Endgültig endete die Bedeutung der Phönizier im östlichen Mittelmeer erst mit der Zerstörung von Tyros durch Alexander 332 v. Im Westen bestand die bedeutende Kolonie Karthago noch bis zu seiner Zerstörung durch die Römer 146 v. als mächtige Seemacht fort.
Die Phönizier verbreiteten im gesamten Mittelmeerraum ihre wichtigsten Götter. Deren höchster war El. Weiter gab es verschiedene Stadtgötter, etwa Aschera, Baal oder Anat. Hohes Ansehen genoß die Vereehrung der Astarte als Gebärerin allen Lebens, später auch des Adonis als einen sterbenden und wiederauferstehenden Vegetationsgott.
Neben ihren Gottheiten verbreiteten die Phönizier ihre kulturellen Errungenschaften, deren hervorragendste die Buchstabenschrift ist, die sie als Händlervolk früh entwickelten (keine Vokalzeichen, überliefert seit dem 17. Jh. v. Chr.) und die Grundlage sämtlicher westsemitischen Schriften sein soll, damit auch der griechischen und der hier sichtbaren, außerdem auch der mongolischen und der indischen Schrift.
Sammlung: Adonis, Anat, Astarte, Dagon, El, Schahar, Schalim