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   Vorderasien - Schauplätze
 

Jordan

(arab. Nahr Ash Shariah) Diesen wichtigsten Fluß Palästinas speisen vier Quellflüsse (bes. Hermon Dan u. Senir), insgesamt ist der Jordan etwa 330 Kilometer lang. Die Quellflüsse entspringen dem westlichen Hang des Hermon-Gebirges und bilden nördlich des Meromsees den Jordan. Insbesondere schlängelt er sich in nord-südlicher Richtung durch den Jordangraben (ein Teil des syrisch-ostafrikanischen Grabensystems, gegliedert in Hulatal, See Genezareth, unteres Jordantal, Totes Meer und Arava), ehe er in das 390 Meter unter dem Meerespiegel liegende Tote Meer mündet. Größter Zufluß ist der Yarmouk.

An einem der Quellflüsse des Jordan, dem Nahr Banijas, befindet sich das antike Panaeas mit einer Stätte, die als Grotte des Pan Kultplatz war.
Herodes ließ hier einen Tempel zu Ehren des Julius Caesar errichten, weshalb der Ort Caesarea genannt wurde (HEDIN, 65f.).

Der Jordan ist in biblischer Überlieferung eine wichtige Landmarke. Den Israeliten markierte er die Grenze zum verheißenen Land Kanaan. Als sie ihn zum Abschluß ihrer Wanderung durchquerten, stiegen bei Gilgal zunächst Priester mit der Bundeslade in seine Fluten, die darauf wundersam innehielten und dem Volk einen trockenen Übergang ermöglichen (Josua 3). Damit endete die vierzig Jahre dauernde Wanderung durch die Wüste, die mit einem ähnlichen Wunder begonnen hatte, als Mose seine Hand emporreckte und das Schilfmeer sich teilte (2. Mose 14,19-22).

Auf die besondere reinigende Kraft des Jordanwassers wird im Buch der Könige hingewiesen. Der Prophet Elisa konnte Naeman, einen syrischen König, der seinerzeit über Israel herrschte, vom Aussatz befreien, indem der seine Rat befolgte und sich siebenmal im Jordan taufte (2. Könige 5,1-14).

Im Neuen Testament ist es Johannes der Täufer, der an diesem Fluß wirkte und auch Jesus taufte. Bei der Taufe soll der Jordan zu fließen aufgehört haben. Der christliche „Jordansegen” zur Beendigung des Blutflusses ist ein sich darauf beziehender Analogiezauber.

Bis in die Gegenwart blieb der Jordan ein Fluß, dessen Wasser besondere Kraft zugesprochen wird. Viele gläubige Nahost-Touristen nehmen sich davon etwas mit, sogar per Versand kann es bezogen werden. Leider scheint es den dort lebenden Völkern selbst keinen Segen zu bringen, die Wasserrechte sind in der Krisenregion neben den ethnisch-religiösen Widersprüchen Ursache ständiger Streitereien. Es wird daher auch geunkt, am Wasser des Jordan sei bereits das Tote Meer gestorben.
„Über den Jordan gehen” ist ein geflügeltes Wort für Sterben.

Nach einer damaszenischen Sage wird bei Herannahen des Jüngsten Tags Jesus Christus drei Steine aus dem Jordan gegen den Antichristen schleudern.

 

Ein weiterer Fluß namens Jordan ist der 70 Kilometer lange Jordan-River im US-Bundesstaat Utah, der vom Utah-Lake in den Großen Salzsee fließt.