| Judentum / Altes Testament | ||
(Azazel, Bote Gottes). Ein Wüstendämon, dem zum Opfer ein Ziegenbock in die Wüste getrieben wurde, der als Sündenbock die Schuld der Opfergemeinschaft mit sich trägt.
Die Israeliten opferten während des ganzen Jahres für Ihre Sünden und trugen das Blut der Opfertiere ins Heiligtum. Einmal im Jahr wurde beim großen Versöhnungstag das Heiligtum gereinigt und die gesammelten Sünden dem Ziegenbock auf das Haupt gelegt, der damit in die Wüste geschickt wurde (und lasse den Bock für Asasel in die Wüste 3. Mose 16,10).
Das 3. Buch Mose berichtet, wie das Ritual vollzogen und damit das Versöhnungsfest (Jom Kippur) begründet wird (16).
Nachdem der Hohepriester das Sündenbekenntnis der Kultgemeinde entgegengenommen hat, leitet er die gesammelte Schuld durch Handauflegung in den, der als Sündenbock zu Asasel in die Wüste hinausgetrieben wird.
Der Ritus des Sündenbocks ist uralt und bestand schon in vorisraelitischer Zeit.
Asasel, der auch selbst in Bockgestalt dargestellt wird, gilt in der Apokalyptik als Anführer des Heers der von Jahwe abgefallenen Mala'ak (Engel).
Im Neuen Testament wird Jesus mit dem Sündenbock für Asasel verglichen (Hebräer 13,11ff.).
Asasel wird auch als Schatten des guten Gottes dunkle Seite der lichten Natur gedeutet (siehe Polarität). Er wird auch als Azel bezeichnet, der ein rebellischer Engel gewesen sein soll, der Gott von seinem Wissen gestohlen haben und das an die Eva weitergegeben hätte.
Im äthiopischen Buch Henoch, das zu den Apokryphen gezählt wird, heißt es von Asasel, er sei als einer der gefallenen Engel zu den Menschen herabgestiegen und habe diesen Schlachtmesser, Waffen, Schilde und Brustpanzer verfertigen [gelehrt] und zeigte ihnen die Metalle samt ihrer Verarbeitung und die Armspangen und Schmucksachen, den Gebrauch der Augenschminke, die kostbarsten und auserlesensten Steine und allerlei Färbemittel (WEIDINGER, Die Apokryphen, S. 304).
Den Dämonologen galt Asasel als ein Anführer der Dämonen und Höllenfürst, der gern bei Beschwörungen heraufbeschworen wurde. Besonders der Exorzist suchte durch ihn, als dem Boten, den Namen derjenigen Teufel herauszufinden, die den Besessenen plagten.
Die Redewendung jemanden in die Wüste schicken beruht ebenfalls auf dem Brauch des Sündenbocks.
Bibelzitat nach: Die Bibel oder die ganze Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments. Nach der Übersetzung Martin Luthers.
Nach dem 1912 vom Deutschen Evangelischen Kirchenausschuß genehmigten Text, Württembergische Bibelanstalt Stuttgart 1961.