| Iranier | ||
(awest. Vertrag, Freundschaft; Mithras, Mitras, Mitra) Ein iranischer Bundesgott, Gott der Eide und Verträge, Kriegsgott und Schutzgott der höheren Stände, Spender von Fruchtbarkeit, Frieden und Sieg. In späterer Zeit ist er auch Totenrichter sowie Licht- und Sonnengott.
Mithra, der aus dem Felsen geborene Lichtgott, gehört zu den Yazata, seine Geschwister sind der Rashnu und die Daena. Er ist die Sonne, die auf seinem goldenen Wagen von vier weißen Pferden über den Himmel zog. 10000 Augen und Ohren zeugen von seiner Weisheit und der Macht, Siege zu schenken.
Gleichgesetzt wurde Mithra von seinen Anhängern oft mit dem Ahura Mazda, dem Prinzip des Guten. Dem gegenüber steht der böse Ahriman. Mithra galt auch als Vermittler zwischen diesen Prinzipien, weil der Zug Sonne den Wechsel von Licht und Dunkel bringt.
Die erste schriftliche Erwähnung des Gottes findet sich in einem Vertrag, der im 14. Jahrhundert in akkadischer Sprache fixiert wurde und Mithra einen Schwurgott nennt.
Geopfert wurden Mithra Stiere, um die Fruchtbarkeit der Natur zu sichern. Gegen die orgiastische Verehrung des Mithra mit den blutigen Stieropfern wandte sich um 600 vor der Zoroaster (Zarathustra). Zoroaster und seine Anhänger sehen in Ahura Mazda die oberste Gottheit, Mithra verlor seine Stellung.
Im vierten Jahrhundert v. belebte sich unter Artaxerxes II. (404 bis 359) die Verehrung des Mithra aufs Neue und faßte auch bei den Römern Fuß, seit im 1. Jahrhundert v. das Römische Reich weiter nach Osten vordrang. Im griechisch-römischen Raum nannte man ihn Mithras, den Gott der staatlichen Ordnung. Besonders beliebt war er bei den Soldaten, die ihn als Gott der Soldaten und der Männerbünde verehrten. Dargestellt ist er als Stiertöter, flankiert von den Fackelträgern Cautes und Dautapathes.
Im Mithras-Mysterienkult galt er als Bezwinger des Urstiers Geush Urvan, den er einst tötete. Aus dem Leib des Stiers gingen alle Tiere und Pflanzen hervor, in seinem Blut sind die Menschen gesegnet, er ist daher ihr Heilsbringer.
Bei diesen Mithras-Kulten, die in Mithräen genannten Grotten und unterirdischen Räumen begangen wurden, waren Frauen ausgeschlossen. Von Persien verbreiteten sich die Kulte über Kleinasien, Griechenland und seit 70 v. besonders durch römische Soldaten über Rom bis nach Germanien und Britannien. Zahlreiche Ruinen von Mithräen sind erhalten, in Deutschland beispielsweise in Heddernheim und Dieburg b. Frankfurt a.M.
Als seinen Geburtstag feierte man den 25. Dezember, eine Tradition, die das Christentum übernahm, als es im Jahre 354 das Weihnachtsfest auf dieses Datum legte. Wohl wegen etlicher Ähnlichkeiten im Kult, der in Konkurrenz zum Christentum stand, verfolgten die Christen die Verehrung des Mithras nachdrücklich.