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 Griechische Mythologie
 
 

Apollon

Apollo - Übersicht
Herkunft und Jugend
Taten
Liebesleben und Kinder
Name „Apollo”,
Beinamen und Verehrung
Vermischtes
Literaturhinweise

 
(gr.; lat. Apollon, dt. Apoll) Er ist Gott des Lichts, der Dichtung und der Musik, des künstlerischen Maßes, der Gesetzmäßigkeit und Ordnung, des Rechts und des Friedens, der Jugend, der Heilkunde und der Weissagung. Er war der Gott wichtiger Orakelstätten (z. B. Abis, Delphi, Delos) und Beschützer der Schafhirten. Als Sonnengott, der für die Fruchtreife sorgt, opferte man ihm im Frühjahr von der ersten Ernte.
Seine Verehrung als Gott der Sonne soll eine jüngere Tradition sein, manche der sonst dem Helios zugebilligte Taten werden ihm dann zugeschrieben. Der Kult des weithin verehrten, für blond und blauägig angesehenen Apollon soll seine Wurzel im Norden haben.

Apollon, Sohn des Zeus und der Leto, einer Tochter der Titanin Phoebe und des Koios sowie Bruder der Artemis (HESIOD, Theogonie, 918), gilt als Schutzherr der Musen, des Ackerbaus, der Herden und der Schiffahrt, er ist ein Helfer im Kampf, strafender Bogenschütze, Todesgott und Sender der Pest.

Seine Kennzeichen sind auf goldgelocktem Haupt eine Krone mit zwölf leuchtenden Strahlen, ein silberner Bogen in der Rechten, auf den Rücken den Köcher für die Pfeile, in der Linken eine Leier (o. Kithara), oder mit dem Dreifuß des Sehers und einem dreiköpfigen (Wolf, Hund, Löwe) Untier. In der frühen Kunst unterscheidet sich Apollon, oft bärtig, nur durch seine Abzeichen (Saitenspiel, Lorbeer) von anderen Göttern; häufig trägt er das lange Kleid des Kitharaspielers, gern in Begleitung der neun Musen, oder den Krummstab des Hirten. Später wird Apollon meist als nackter Jüngling dargestellt.
Wie seine Verehrung ist auch die Darstellung des Gottes von einiger Vielfalt.

Geweiht ist Apollon die Palme, unter der er geboren wurde, außerdem die Tamariske, der Lorbeer und der Ölbaum. Aus der Tierwelt sind der Schwan, ein Sinnbild des Hellen und Hoheitsvollen, dessen sagenhafter Schwanengesang dem Erfinder der Musik würdig ist und die zirpend musizierenden Heuschrecken ihm heilig, außerdem Rabe/Krähe, Geier, Habicht, Hahn, Delphin, Schlange und Wolf (HEDERICH, Sp. 337f.), ihm ist das Helikongebirge in Böotien geweiht.

Am Tempel des Apollon in Delphi standen die Worte „Nichts zuviel” und „Erkenne dich selbst”.
Dieser Tempel „wurde aus reinem Prasem erbaut, um den Priestern die notwendige Ruhe für eine gerechte Urteilsbildung zu ermöglichen.” (STEPHAN u. ASCHBERG, 398)

 

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Herkunft und Jugend

Apollon gilt als Sohn des Zeus und der Leto, einer Tochter des Himmels Uranos (HESIOD, Theogonie, 404).
In Ägypten galt Apollon als Sohn des Osiris, auch des Dionysos und der Iris, Leto soll dann seine Erzieherin gewesen sein, die ihn vor dem Typhon bewahrte.

Es werden noch allerlei andere Herkünfte dieses berühmten und weithin verehrten Gottes genannt, so soll er hethitischer, babylonischer (Sonnengott Schamas) oder nordischer Herkunft sein, am bekanntesten ist aber seine Abkunft von Zeus (bei den Römern Jupiter) und Leto.
Demnach hatte Hera, die Gattin des Zeus, die Leto als Nebenbuhlerin eifersüchtig verfolgt und sich dabei von ihrer Großmutter Erde ausbedungen, daß die der Schwangeren keinen von der Sonne beschienenen Platz zur Niederkunft gewähre.
Überdies sandte Hera der Leto den Drachen Python nach.

Zeus stand der Leto bei und sandte ihr den Nordwind Boreas, der sie zu Poseidon trug. Der ließ aus dem Meer die Insel Delos auftauchen und schuf so einen zuvor nicht vom Licht der Sonne erreichten Platz. Hier, am Berg Kynthos, konnte Leto unter einem Palmbaum Zwillinge gebären, zuerst die Artemis, die der Mutter gleich als Hebamme bei der Geburt des Apollon half. Es soll dieses im siebten Monat der Schwangerschaft Letos bzw. am siebten Tag des Monats geschehen sein, der siebte Tag war später dem Apollon heilig.

Die ehedem umhertreibende Insel Delos soll mit diesen Geburten ihren heutigen festen Platz erhalten haben.
Als andere Geburtsorte genannt werden Lykien, Zostere/Attika oder Tegyra/Böotien, wenn er nicht bei den Hyperboreern zu suchen ist. Von den Hyperboreern soll Leto nach Delos gekommen sein und hatte sich, um nicht von der Hera entdeckt zu werden, in einen Wolf verwandelt.

Wenige Tage der Fürsorge durch die Amme Asterie mit einfacher Milch oder durch die Themis, die Jung-Apollo Ambrosia und Nektar einflößte (HOMER, Hymn. in Apoll. 123), genügten, daß Apollon bereits am vierten Lebenstag seiner Mutter vor der Schlange Python helfen konnte. Am Parnaß drang Apollo mit Pfeil und Bogen (die Pfeile hatte ihm Hephaistos gefertigt) in die Höhle Pythons ein und so erschoß der solare Gott die dem Finsteren zugehörige Schlange.

 

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Taten

Auf dem Parnass entsühnte sich Apollon in einer Feier von diesem Tötungsakt. So übernahm Apollon das Orakelheiligtum von Delphi und begründete zum Gedenken an diese Taten die pythischen Spiele (OVID, Metamorphosen, I.445), von dieser Tat trägt Apollon den Beinamen Pythius.
Ihm zu Ehren fanden auch auf Delos, Nicäa, Rom und andernorts Spiele statt. (HEDERICH, Gründl. mythol. Lex., Sp. 337f.)

In Delphi suchten ihn Leto und Artemis auf.
Den Tityos, einen erdgeborenen Riesen, streckten er und seine Schwester nieder, als der sich ihrer Mutter unziemlich näherte. Diese Tat wird allerdings auch dem Zeus zugeschrieben.

Wenig nach der Tötung des Python erregte den Apollon das erste Mal die Liebe. Weil er, der Überwinder des Drachen, den Amor bespöttelte, als er den seinen Bogen spannen sah, überzeugte ihn Amor durch die Stärke seiner Pfeile. Der geflügelte Liebesgott flog auf den Gipfel des Parnaß und schoß einen seiner Pfeile nach dem Apollon, der davon in Liebe entbrannte, den zweiten nach der Nymphe Daphne, die Tochter des Flusses Peneios war. Dieser Pfeil aber hatte die Wirkung, gegen jegliche amoröse Empfindung abzustumpfen.
Daphne eiferte fortan der jungfräulichen Göttin Diana (röm. Name der Artemis) nach und zog jagend durch die Berge, alle Freier abweisend. Rastlos floh sie auch vor dem Apollon, ehe sie ermüdet den Peneios bat, ihr eine andere Gestalt zu geben. Der Wunsch wurde erhört und Daphne in einen Lorbeerbaum verwandelt. Den liebte fortan Apollon, der den Lorbeer zu seinem heiligen Baum erklärte und sein auf Wunsch des Apollon immergrünes Laub bekränzte fortan Haupt, Leier und Köcher des Gottes (OVID, Metamorphosen, 1.452-566).

Laut OVID, der Apollon hier ganz mit der Sonne Helios gleichsetzte (Metamorphosen, 1.750ff.), mochte Apollon nicht mehr die Sonne über den Himmel ziehen, nachdem sein Sohn Phateon den Sonnenwagen zuschanden gefahren hatte und dabei gestorben war. Die Götter und die Entschuldigung des Jupiter (röm. für Zeus) stimmten ihn jedoch um, womit eine Sonnenfinsternis endete (Metam., 2.381-400).

Mit Koronis wurde Apollon Vater des Heilers Asklepios. Den warf Zeus in den Hades, weil der seine Kunst auch zur Nekromantie nutzte. Dafür rächte sich Apollon, indem er die Kyklopen tötete, hatte dafür aber ein Jahr lang dem Admetos Hirtendienste zu leisten.

Als Apollon am Fluß Amphrisus in Thessalien die Rinder des Admetos hütete und dabei auf der Pfeife spielte, kam der damals noch sehr junge Hermes und stahl die Tiere. Nachdem Hera, die Mutter des Hermes, den Sprößling nicht zurechtwies, packte den der Apollon selbst und schleppte ihn zu Zeus, von dem ihm Recht zugesprochen wurde.
Apollon hatte aber das Leierspiel des Hermes so gut gefallen, daß er dem nicht allein die Rinder überließ, sondern ihm obendrein mit seinem goldenem Stab beschenkte und ihn die Wahrsagerei lehrte (Metamorphosen, 2.676), die er selbst einst von Pan gelernt hatte.

Von Thessalien zog Apollon nach Lakädamonien. Hier kam es bei Sparta zu einem Diskus-Wettkampf mit dem Hyakinthos, bei dem die von Apollon geworfene Scheibe wegen des Südwindes Zephyros den Mitstreiter erschlug (Metamorphosen, 10.162). Apollon verließ nach diesem Vorfall Lakädamonien.

In Troja half er dem Poseidon dabei, die Mauern der Stadt zu errichten. Dieses war eine Strafe dafür, daß sie beide nebst anderen Göttern sich gegen Zeus aufgelehnt hatten. Apollon wurde die Arbeit aber nicht zu schwer, da ihm das Spiel der Leier genügte, um die Steine zu selbstätiger Bewegung zu veranlassen (vgl. zur Wirkung von Musik auf Steine den Orpheus, der Steine zum Weinen rührte oder den Amphion, der die Mauern Thebens durch den Klang seiner Leier errichtete).

Weil der König von Troja, Laomedon, Apollon und Poseidon nach Abschluß der Arbeit um den vereinbarten Lohn prellte, sandte Poseidon der Stadt das furchtbare Meerungeheuer Ketos. Am darüber verzweifelt das Orakel befragenden König rächte Orakelgott Apollon sich mit dem Rat, dem Meerungeheuer trojanische Jungfrauen zu opfern, darunter auch Hesione, des Laomedon eigene Tochter. Dem König und der Hesione half später der Herakles, der Hesione befreite und Ketos erlegte.

Bei einer weiteren Gelegenheit konnte Apollon dem König Alkathous dabei helfen, die Mauern seiner Stadt Megara zu bauen. Wieder war es die Musik, welche die Steine rührte. Einer davon blieb liegen. Auf den hatte Apollon in einer Pause seine Leier gelegt, noch später erklang der Ton dieses Instruments, wenn man gegen diesen Stein klopfte.

Einmal traf Apollon auf einen musikalischen Herausforderer, den Satyrn Marsyas, der seine Niederlage schrecklich büßte, indem Apollon ihn in einen Baum hängte und ihm die Haut abzog. Beide hatten zuvor ausgemacht, der Sieger könne mit dem Unterliegendem machen, was er wolle. Marsyas war in Begleitung der Kybele. Mit dieser begab sich Apollon ins Land der Hyperboreer.

Lustiger verlief ein Wettstreit mit Pan, der seine Flöte der Leier des Apollon vorzog. Tmolus, der Schiedsrichter im Wettbewerb, sprach Apollon den Sieg zu, was indes den König Midas zum Zwischenruf bewegte. Apollon verehrte dem Kritiker daraufhin ein Paar Eselsohren (Metamorphosen, 11.146ff.).

Streng verfuhr Apollon auch mit einer Spötterin seiner Mutter. Als die Niobe von Theben sich über Leto erhob, weil diese nur zwei, sie aber viele Kinder hatte, töteten er und seine Schwester Artemis diese Kinder mit ihren Pfeilen.

Auf Seiten der Olympier bekämpfte Apollon gemeinsam mit Herakles den Riesen Ephialtes, dem der Heros das rechte Auge ausschoss, während Apollon das linke traf (Hyg. Fab. 150). Auch den Otos, Bruder des Ephialtes, tötete er, als der wie sein Bruder den Olymp zu stürmen versuchte.
Dagegen war der Typhöus eine schreckenerregendere Gestalt. Als der von Ägypten her gegen die Olympier stürmte, verwandelten die sich in Tiere, Apollon floh als Kranich.

Als endlich die Olympier doch die Riesen besiegt und ihre Herrschaft gesichert hatten, obsiegte in den Wettspielen hernach Apollon im Wettlauf über den schnellen Boten Hermes, den Kriegsgott Ares schlug er im Fechtkampf.
Sportlich bewährte sich Apollon auch im Ringen. Als ein Ringer stellte er sich dem Phlegyer Phorbas entgegen, der Delphi unsicher machte und überwand den Räuber.

 

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Weitere Sammlung zu Apollo

Auf Apollon soll die Eingeschlechtlichkeit des Menschen zurückgehen. Vormals waren die Menschen doppelgeschlechtliche Androgynes. Weil diese urkräftigen Gesellen wider die Olympier Krieg führten, ordnete Zeus ihre Teilung an. Apollon trennte die Androgynes auf, rückte die Glieder zurecht und nähte daraus je einen Einzelmenschen.

Wenn der solare und der lunare Zyklus zusammenfallen, ist ein „Großes Jahr” vergangen und Apollon besucht den Tempel der nördlichen Mondgöttin. Diese wurde bei den Kelten als Brigit verehrt.

Die Gnostiker wußten um einen Zwillingsbruder des Apollon (bzw. des Sonnengottes Helios). Dieser Bruder ist Sol Niger (Schwarze Sonne) und König der Unterwelt.

Apollon soll in Arkadien die Gesetze eingeführt haben. Überhaupt gilt er als Begründer kultivierten Menschseins.

Julius Caesar sah im keltischen Belon den in seiner Welt fast überall verehrten Apollon (Caesar Bell. gall., VI. 17,1). Apollo oder Apello, wie er auch geschrieben wurde, soll auch dem etruskischen Aplu entsprechen.
Apollon, der Erfinder der Musik, wird auch in dem biblischen Jubal, einem Nachkommen Kains „von dem sind hergekommen die Geiger und Pfeifer” (1. Mose 4,21) erkannt.
Oder er ist Mose selbst, da ihre Beschreibungen zahllose Parallelen aufweisen (vgl. HEDERICH, Sp. 342f.).

In der Alchemie steht Apollo auch symbolisch für die Sonne. (GEBELEIN, 428)

 
 

  Die obige Darstellung folgt vornehmlich:
Benjamin Hederich: Gründliches Mythologisches Lexikon. Reprographischer Nachdruck der Ausgabe Leipzig, Gleditsch 1770 der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek zu Donaueschingen., Wissensch. BG., Darmstadt, 1996

 
 

Siehe auch: