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| Germanen / Deutsche - Heldensage | |
(Hagen von Tronje, nach dem elsässischen Ort Tronia, später Kirchheim, die Deutung ist unsicher) Im Nibelungenlied ist dieser Sohn Aldrians ein Vasall Gunthers, König der Burgunder, und dessen treuer Gefolgsmann und Ratgeber. Er ist der Onkel des Helden Ortwein, ein Bruder ist Dankwart. Sohn des Hagen ist Nifel.
Über Hagens Zeugung wird auch berichtet, daß seiner Mutter, der Frau Adrians und Tochter König Irians (Yrian, der reiche), als sie trunken war, ein Alb erschien, der ihr in ihrem Grasgarten beigewohnt habe (Thidrekssaga, Mb 169). Somit wäre Hagen halb Mensch, halb Albe und damit seine recht dämonische Zeichnung erklärt.
Weil Hagen somit keinem gültigen Verhältnis entsprossen war, wurde nicht er, sondern sein jüngerer (Halb-)Bruder Gunther König, der wohl einer zweiten Ehe Aldrians entstammte. Hier könnte auch eine höfische Intrige kolportiert sein: Der Albe war kein übernatürliches Wesen, sondern ein normaler Mensch, wohl aber vornehmer und fremder Herkunft, der den Suff der Königin ausnutzte. Zeuge des Fehltritts war ihre Magd, die das Geheimnis dem Didrik verriet, der es später König Aldrian mittelte. Der habe daraufhin eine andere Frau genommen und mit ihr Gunther, Gernholt und Gislher gezeugt. (RITTER-SCHAUMBURG, 110f.) Auch eine keltische Herkunft wird für möglich gehalten. (ebd., 113)
Beschrieben wird Hagen als schwarzhaarig, mit buschigen Brauen und großer Nase, sein eines Auge war schwarz. Insgesamt bot er einen grimmigen Anblick, doch durchaus edel. Wie Gunther führte er einen (ungekrönten) Adler in seinem Schild, das silbern war und so Hagens königliche Abkunft erkennen ließ.
Für seine Königin Brünhilde ermordete er den Siegfried, indem er ihm seinen Speer zwischen die Schultern rammt (Nibelungenlied, 16. Abenteuer).
Die Meucheltat trägt ihn den Haß Krimhilds ein, was weiter gesteigert wird, als Hagen ihr auch noch den Hort Nibelungs raubt und im Rhein versenkt (Nibelungenlied, 19. Abenteuer).
Im zweiten Teil des Nibelungenliedes ist er der Gegenspieler von Siegfrieds Gattin Kriemhild.
Bereits zu Beginn der Reise an den Hof Etzels prophezeien ihm zwei Wasserfrauen, daß alle Helden sterben werden, nur ein Pfaffe kehre lebendig nach Worms zurück. Zur Probe wirft er den Kaplan in die Donau. Als der Nichtschwimmer wider erwarten das Ufer erreicht weiß er, daß ihr Schicksal besiegelt war (Nibelungenlied, 25. Abenteuer).
Das Nibelungenlied wie auch die Thidrekssaga zeichnen ein überaus grimmiges Bild von Hagen. Nicht nur, daß er Siegfried getötet hatte, die Wasserweiber, den Fährmann, den Kaplan erschlägt oder ertränkt, bei Etzel beim Bankett schlägt er im Vorfeld des abschließenden Gemetzels auch vor aller Augen Etzels kleinem Sohn den Kopf ab.
Am Ende fällt er durch die Hand Kriemhilds, was für Dietrich von Bern Anlaß ist, seinerseits Kriemhild zu erschlagen. (Nibelungenlied, 39. Abenteuer)
Die Thidrekssaga berichtet, Hagen habe in der letzten Nacht seines Lebens noch einen Sohn gezeugt. Dieser, er hieß Aldrian, wuchs am Hof Attalas auf, der ihn wie seinen eigen Sohn behandelte. Im Herzen trug Aldrian, dem die Vorgeschichte erzählt worden war, den Wunsch nach Rache. Er lockte Attala in eine Höhle, in der Sigfrids Hort verborgen sein sollte und sperrte seinen Ziehvater darin ein, daß er verschmachtete.
In der nordischen Überlieferung der Edda ist Högni (Hagen) ein Bruder Gunnars (Gunther) und Gudruns (Kriemhild). Anders als im Nibelungenlied wird er nicht zum Mörder Sigurds (Siegfrieds).
Vielmehr wird Högni selbst zum Opfer des habgierigen Atli (Attila), der ihn grausam tötet. Sein Sohn Hniflung (Nifel) rächt die Bluttat (Edda, Das grönländische Atlilied 87f.).
Im Waltharius des Eckehart von St. Gallen (um 920) gelangte Hagen, ein adliger Sproß aus troischem Stamme, als Geisel an den Hof des Hunnenkönigs Etzel, damit der nicht das Frankenreich des Königs Gibich angreife. Etzel willigte ein und Hagen kam an seinen Hof, dazu Walther, der Sohn des Aquitaniers Alpher und Hildgund, die Tochter des Burgunders Heririch, deren Geiselhaft ebenfalls Etzels Angriffe vermied. Alle drei Kinder wuchsen in der Fremde unter besten Bedingungen heran, Hagen und Walther wurden sogar Heerführer der Hunnen. Als König Gibich aber gestorben war und sein Nachfolger Gunther den Vertrag mit Etzel gelöst hatte, floh Hagen von Etzels Hof und begab sich als Vasall Gunthers ins Frankenreich.
Als auch Walther und Hildgund von Etzel geflohen waren, trachtete Gunther die Flüchtigen wegen ihrer mitgeführten Reichtümer, von denen ihm Hagen erzählt hatte, zu überfallen. Hagen versuchte seinen König umzustimmen, doch war das vergebens und so zogen er, König Gunther und zwölf Mannen des Königs gegen Walther. Der erschlug sämtliche dieser Mannen und mußte sich endlich Gunther und Hagen stellen, nachdem er und Hildgund durch eine List Hagens aus ihrer Verschanzung gelockt worden waren. Hagen hatte sich am Ende doch vom König zur Teilnahme an dem Kampf bereiterklärt, nachdem er sich zunächst im Zwiespalt wegen seines Treueides dem König gegenüber einerseits, des Freundeseides gegenüber Walther anderseits befand, diesen jedoch von Walther gebrochen sah, nachdem der den Patafried, einer der Mannen Gunthers und Neffe des Hagen, erschlagen hatte.
Also stürzten sich Hagen und Gunther gemeinsam auf Walther. Der verteidigte sich wacker und hieb dem Gunther einen Schenkel ab und hätte den getötet, wenn nicht Hagen sich mit seinem Schild dazwischengeworfen und dem Walther seine rechte Hand abgehauen hätte. Walther gelang jedoch mit seinem unterdessen zerbrochenen Schwert ein Streich gegen Hagens Kopf, der davon das rechte Auge (Walther nennt ihn dafür einen einäugigen Sigambrer, v. 1435) verlor, seine Schläfe und Lippen zerschnitten bekam und überdies sechs Backenzähne herausgeschlagen.