| < zurück | |
| Germanen/Deutsche - Heldensage | |
(ahd. gund, Kampf u. heri, Heer; Gundahar, Gundikar, Gunter) Er ist im Nibelungenlied der König der Burgunder. Mit ihm burgundische Könige sind Giselher und Gernot, ihre gemeinsame Schwester ist Krimhild, ihre Mutter Ute.
Beschrieben wird Gunther als weißblonder Rittersmann, auf Waffen und Schild führte er den gekrönten Adler als Zeichen seiner Königswürde. In der Thidrekssaga heißt es: Da nahm Hagen Gunter-Königs Banner, das war vorn golden, inmitten weiß und ein Adler darin von roter Seide mit einer Krone, und außen wars grün. (V. 307, zit. n. RITTER-SCHAUMBURG, 34)
Seine Frau wird die Brunhilde, die mit Hilfe des Siegfried seine Gattin wird. Ihr gemeinsamer Sohn heißt nach diesem Helfer Siegfried. Gunther stirbt am Hofe des König Etzel auf Veranlassung seiner Schwester Krimhild.
In der nordischen Edda heißt dieser Gunther Gunnar.
Als historisches Vorbild für den Gunther des Nibelungenliedes gilt ein König der Burgunder, Gundahar. Der war etwa ab 413 im Gebiet von Worms König und fiel 436 gegen die hunnischen Söldner des Aetius.
Gunther nennen im Nibelungenlied auch Siegfried und Kriemhild ihren Sohn, der Kriemhild in Worms geboren wird. Sie ehren mit dieser Namensgebung Kriemhilds Bruder, den vorgenannten Gunther.
Im Waltharius, einem lateinischen, dem Mönch Eckehart von St. Gallen zugeschriebenem Epos wohl aus der Zeit um 920, ist Gunther der Sohn des fränkischen Königs Gibich. Gibich hatte den jungen Hagen als Geisel an den Hof des Hunnen Etzel gesandt und so Frieden erwirkt; Gunther war dafür, so heißt es (V. 29f.), noch zu klein. Als Gibich gestorben und Gunther als Nachfolger des Vaters König geworden war, floh Hagen von Etzel und wurde Vasall Gunthers. Als auch Walther und Hildgund, Kinder der Könige Aquitaniens und Burgunds, die Flucht aus dem Land der Hunnen gelungen war und sie sich Worms, der Residenzstadt Gunthers, näherten, gierte es Gunther nach dem Schatz der Rückkehrer und mit zwölf seiner Mannen, denen sich Hagen widerstrebend anschloß, versuchte er den Überfall. Walther erschlug sämtliche Gefolgschaft Gunthers. An diesen Kämpfen nahm Gunther erst ganz am Schluß teil, und das noch zu vieren gegen einen. Dann endlich gelang es Gunther, Hagen zum Kampf gegen dessen Freund Walther zu bewegen. In diesem Kampf verdankte Gunther seinem Vasallen das Leben, nachdem Walther ihm das Bein oberhalb des Knies abgeschlagen hatte und ihn getötet hätte, wäre nicht Hagen dazwischengefahren und hätte dem Walther eine Verwundung beigebracht. Schließlich lagen alle drei Recken verstümmelt beeinander und ließen sich von Hildgund die Wunden verbinden, nachdem diese eine Versöhnung verlangt hatten. Gemeinsam mit Walther verspottete Hagen nun Gunthers mangelnden Kampfesmut, der sich darum auch als letzter am gereichten Wein stärken durfte.