| Christentum / Abendland | ||
(hebrä. Widersacher, Feind, griech. Satanas und Satan, arab. Shaitan, dt. Satan. Er ist der oberste christliche Teufel und Höllenfürst, dargestellt wird er als Mischgestalt aus Mensch und Tierleibern, oft auch in Gestalt einer Schlange oder eines Drachen.
Im Alten Testament der Bibel gilt er als Widersacher des ihm übergeordneten Jahwe, der im Himmel vor Gottes Gericht die sündigen Menschen anklagt. Als Engel des Herrn versucht er, beauftragt von Jahwe, die Menschen und verführt sie zur Sünde.
Problematisch an dieser Vorstellung vom Satan ist, daß er einerseits Widersacher, anderseits Untergebener eines allmächtigen Gottes ist. Er wird darum auch als dessen Beauftragter betrachtet, im Sinne eines Prüfers bzw. Staatsanwaltes.
Satan zerstörte das familiäre Glück des Hiob und versuchte ihn so, ob er von Gott abfalle, wie der seinerseits offensichtlich seinen Segen von Hiob genommen hatte. Zu Jahwes Gefallen bleibt Hiob, obwohl derart ins Unglück gestürzt, schwankend-standhaft bei seinem Glauben (Bibel, Buch Hiob).
Als Satan sich gegen den Jahwe auflehnte, wurde er von einem Engel hinabgeschleudert (Offenbarung 12, 7-10), je nach Auslegung auf die Erde oder in die Hölle. Im apokryphen Text Leben Adams und Evas heißt es, als Gott den Menschen als sein Abbild erschaffen hatte, weigerte sich Satan als einziger der Engel, dieses neue Wesen anzubeten. Der Satan erregte wegen dieses Menschen Gottes Zorn und wurde verbannt, weshalb er dem Menschen fortan Böses zu tun trachtet (Erzählung des Teufels von seinem Fall, 12ff., in: WEIDINGER, Die Apokryphen, 26).
Als der wie ein Blitz aus dem Himmel gestürzte Lucifer blieb im Christentum Satan der Teufel und Widersacher der gläubigen Menschen und des Gottes Kyrios.
Machtlos ist er nicht. Als höchstes Wesen des Bösen soll dem Satan eine kopfstarke Hierarchie finsterer Dämonen unterstellt sein. Außerdem dienen ihm - nach mancher Anschauung - Hexen, Heiden, Ketzer aller Art und allerlei Unterteufel, darunter die gefürchteten Succubi und Incubi.
Allerdings gilt Satans Macht und Dämonen dem Christen für beherrschbar: Im Neuen Testament trieb ihn Jesus als Exorzist aus einer Frau aus, die bereits 18 Jahre von ihm besessen gewesen war. Später fuhr er in den Verräter Judas (Lukas 22,3 und Johannes 13,2).
In der Dämonologie des Peter Binsfeld ist sein Status weniger exponiert, hier gilt er als Dämon des Zorns.
Zum Ende der Welt wird Satan ins ewige Feuer geworfen werden.
In der Bibel erscheint der noch bei Ezechiel (Hesekiel) als einer der höchsten Engel und für gut befundene (Hes. 28,13-15) Satan unter mehreren Namen. Der in Jesaja 14,12 erwähnte Name Luzifer bedeutet Lichtträger und ist die latinisierte Form des hebräischen helel. Teufel ist die deutsche Form des griechischen diaballo, womit ich beschuldige oder ich werfe durcheinander gemeint ist.
Im Neuen Testament heißt er Der Arge (Matth. 13,19), Der Feind (Matth. 13,25), Vater der Lüge (Joh. 8,44), Der Fürst dieser Welt (Joh. 12,31), Der Gott dieses Zeitalters (2.Kor. 4,4) und Beelzebub. Der letzte Name deutet auf Baal-Sebub, wohl eine Verballhornung eines Gottes der Philister, Baal-Zebul, als Fliegengott.
Im apokryphen Bartholomäus-Evangelium wird der Teufel neben Beelzebub auch Beliar genannt (WEIDINGER, Die Apokryphen, 500f.).
Die Vorstellung von einem Kampf zwischen den Kräften des Guten und des Bösen kultivierte der persische Zoroaster-Kult, dessen Gedankengut auch die frühe Kirche und das Judentum beeinflußte. Satan verkörpert in der monotheistischen Religion, die nur einen Gott kennt, das Böse.
Dabei ist Satan der Repräsentant des forschenden Intellekts, der unzufrieden mit bloß demütigen Glauben ist, er ist Meister in allen Wissenschaften, rhetorisch begabt wie kein zweiter und ein Künstler der Musik. Seine Verführungskünste sind unübertroffen. Abgebildet wird er in dieser Zwiespältigkeit häufig als schöner junger Mann mit Hörnern, Schwanz und Hufen.
Okkultisten dient Satan als Projektionsfläche, welche die andere, dunkle Seite der Welt aufzeigt.
Da liegt nahe, daß gelegentlich die Rollenverteilung von Gott und Satan angezweifelt wird. Im apokryphen Johannes-Evangelium sagt Jesus: Mein Vater änderte sein Aussehen wegen seines Stolzes. Das Licht wurde von ihm genommen und sein Gesicht wurde wie das eines Menschen. Mit seinem Schwanz zog er den dritten Teil der Engel Gottes an sich, er wurde aus dem Sitz Gottes geworfen.
siehe auch den Artikel zum Satan des Alten Testaments
Bibelzitate, soweit nicht anders vermerkt, nach: Die Bibel oder die ganze Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments. Nach der Übersetzung Martin Luthers.
Nach dem 1912 vom Deutschen Evangelischen Kirchenausschuß genehmigten Text, Württembergische Bibelanstalt Stuttgart 1961.