| Christentum | ||
(hebr. Mirjam; Bitterkeit, Betrübnis nach der Quelle bitteren Wassers in Mara, 2. Mose 15,23; arab. Maryam) Die Tochter von Joachim und Anna. Der Verlobten des Zimmermanns Joseph verkündet der Engel Gabriel die Geburt Jesu, dessen Vater Gott Kyrios sein würde. Auch dem geprellten Bräutigam Joseph erscheint Gabriel, der dadurch seine Enttäuschung überwindet (Matthäus 1,18-24) und fortan mit ihr in ungeschlechtlicher Josephsehe zusammenlebt. Allerdings werden auch Geschwister Jesu erwähnt (Markus 3,31ff.), wobei Brüder auch im Sinne geistiger Verbundenheit deutbar ist.
Auf dem Weg nach Jerusalem, wohin Maria und Joseph sich anläßlich einer Volkszählung einzufinden hatten, kam Maria nach der Weihnachtslegende in Bethlehem in einem Stall mit dem Jesuskind nieder, wo die drei Weisen aus dem Morgenland das Kind anbeteten und beschenkten (Mt 2,1-13). Später emigrierte die Heilige Famile für einige Zeit nach Ägypten, um dem Kindermord des Herodes zu entgehen, und kehrte nach dessen Ende nach Nazareth zurück (Mt 2,13-15).
Weitere Erwähnung findet Maria noch bei der Hochzeit zu Kana sowie bei der Kreuzigung Jesu, wo die Maria mit ihrer Schwester, der Frau des Kleopas, die wie sie Maria heißt (Joh 19,25) sowie der Maria Magdalena anwesend war. Vom Kreuz herab wies er den Jünger, den er lieb hatte, (Johannes) an, Maria zu sich zu nehmen (Joh 19,25-27) und verschied.
Ein letztes Mal wird von Maria anläßlich Jesu Himmelfahrt berichtet, als sie mit den Jüngern um den Heiligen Geist beten (Apg 1,14). Als ihr Sterbeort gilt — laut ihrer Legende — Jerusalem oder Ephesus (Kleinasien, an der Mündung des Kaystros, heute Kücük Menderes, Türkei).
Einer Legende zufolge brachten ihre Eltern Maria im Alter von drei Jahren in den Tempel zu Jerusalem. Dort sollte sie unter Tempeljungfrauen erzogen werden. Die Kirche führt das daran erinnernde Fest Mariä Opferung noch als Gedenktag am 21. November.
Die Muttergottes, der vom Engel Gabriel die Geburt Jesu verkündet wird, gilt als lichtes Gegenbild zur Eva, die den Sündenfall verursacht.
Ein Titel der Maria ist Muttergottes oder Theotokos (Gottes-Gebärerin). Er wurde von der Kirche zunächst abgelehnt, weil es den patriarchalisch gesinnten Kirchenvätern unmöglich schien, daß Gott von einer Frau geboren worden sein soll. Erst später, mit zunehmender Marien-Verehrung, akzeptierte die römische Kirche diese Vorstellung.
Ein weiterer Titel ist Ecclesia, die Kirche. Maria wird als Körper der Kirche angesehen, während Jesus ihr Geist ist.
Seit 1950 gilt für die katholische Kirche das von Papst Pius XII. verkündete Dogma von der leiblichen Aufnahme der Gottesmutter in den Himmel.
Anders als bei fast allen Heiligen, deren Todestag Tag ihres Festes ist, begeht man im Heiligenkalender das Fest Mariä Geburt am 8. September. Andere Feste zu Ehren der Maria sind das Hochfest der Gottesmutter (1. Januar), Mariä Lichtmeß (2. Februar), Mariä Verkündigung (25. März), Mariä Heimsuchung (2. Juli), Mariä Himmelfahrt (15. August), Mariä Königin (22. August), Mariä Namen (12. September) und das Hochfest der Unbefleckt Empfangenen Gottesmutter Maria (8. Dezember), weiter viele, oft regional bedeutenden Feste.
Besonderer Monat der Maria ist der Mai.
Dargestellt wird Maria meistens mit dem Jesuskind, als Heilige Familie mit Jesus und Joseph oder, als Annaselbdritt, mit Jesus und ihrer Mutter Anna. Ihr Symboltier ist das Einhorn.
Sie ist Patronin der gesamten Christenheit, von Bayern, der Stadt Lausanne und der Bistümer Aachen und Speyer. Sie schützt die Gastwirte und Köche, die Essigbrauer, Lebkuchenbäcker, die Gerber (am Gedenktag Assuan) und Kürschner, Seidenarbeiter und Tuchmacher, die Schiffer und Töpfer. Sie wird gegen Gewitter und Blitze angerufen sowie überhaupt in allen Nöten und Lebenslagen.
An vielen Details der Marienlegende scheiden sich auch innerhalb des Christentums die Geister, besonders die Kritiker des gegenwärtigen Papstes Johannes Paul II., der dem Marienkult erhebliche Bedeutung beimißt, nehmen an der Unbefleckten Empfängnis (der eigenen unbefleckten Empfängnis Marias durch ihre Mutter Anna und der jungfräulichen Geburt Jesu) Anstoß.
Die Jungfernschaft Mariens ist Gegenstand lebhafter Diskussion. Der Prophet Jesaja weissagte die Geburt des Messias durch eine junge Frau (7,14), abweichend vom hebräischen Text weiß die griechische Übersetzung von einer Jungfrau, ebenso ist im Neuen Testament von einer Jungfrau die Rede (Mt 1,18ff., Lk 1,34). Ausgerechnet in diesem Punkt erhält der Papst, ob willkommen oder nicht, vielfach Schützenhilfe aus heidnischer Ecke, wo die Maria als eine Erscheinungsform der Großen Göttin gilt.
Diese (analog den drei Marien am Kreuze Christi, Joh 29,25) dreifaltige Göttin ist, da unverheiratet und, den Jahreszeiten entsprechend jedes Jahr erneuert, ewig jungfräulich. Sie gebiert jedes Jahr von neuem das Leben und die Marienverehrung, obwohl von Kirchenvätern abgelehnt, war sicherlich ein Bewegrund für die vormals heidnischen Germanen, Kelten etc. den neuen Glauben letztlich doch anzunehmen.
1858 erschien zu Lourdes, Frankreich die Maria Immaculata (lat., die Unbefleckte) der Seherin Bernadette, einem Bauernmädchen. Die ließ auf Anweisung der Dame eine Quelle mit heilkräftigem Wasser entspringen, heute Ort einer der berühmtesten Marien-Wallfahrten überhaupt. Diese war nur eine von zahlreichen Erscheinungen der Maria.