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Die Zwölf Nächte, man nennt bzw. schreibt sie auch Zwölfnächte, Zwölfen, Zwölften, Rauhnächte, Rauchnächte oder hillige Tage, gehören zu den brauchtumsreichsten Abschnitten des Jahres. Um welche Zeit des Jahres des Jahres es sich handelt ist von Landstrich zu Landstrich verschieden, es ist aber immer die dunkle Jahreszeit um die Wintersonnenwende bzw. Weihnachten. In diesen Nächten geht besonders gern die Wilde Jagd und es wird über das kommende Jahr orakelt, weshalb man auch Lostage zu dieser Zeitspanne sagt.
Je nach Region sind dieses die Nächte zwischen Weihnachten (25. Dezember) und Dreikönigstag (6. Januar; in Nordeutschland (KUHN u. SCHWARTZ, 149f.), Bayern und Österreich), die zwölf Nächte vor Weihnachten (in Schlesien) oder die zwölf Nächte nach Neujahr (in Franken und Mecklenburg; n. Vom Volksbrauch im Winter, 37). Genannt werden auch die Nächte nach dem Julfest zu Mittwinter (21. Dezember/22. Dezember; n. LANGHEINRICH, 21).
Jenachdem fallen in die Zwölfen somit wichtige Feiertage wie Wintersonnenwende bzw. St. Thomas, Heiligabend und Weihnachten, Silvester und Neujahr sowie Dreikönig.
Die Zwölf im Namen erklärt sich aus der Anzahl der Nächte, Rauh- und Rauch- sollen entweder auf das zottelige Äußere der in dieser Zeit umherziehenden Wesen oder auf die Sitte des Räucherns während dieser Zeit deuten. (Vom Volksbrauch im Winter, 37)
Insbesondere soll in den Zwölfen die Wilde Jagd brausen, der von Wotan und Frau Gode oder dem Wilden Jäger geführte Totenzug.
Auch Frau Holda, Herke, Freke, Berchta u. a. halten in den Zwölfen einen Umzug (GRIMM, 226).
Auch Fru Gode soll in den Zwölften in Begleitung ihrer Hunde unter lautem Gejuche umherziehen, mancher sei ihr dabei begegnet. (KUHN u. SCHWARTZ, S. 2)
Einem Zug schrecklicher Gestalten, darunter Menschen ohne Kopf, ungestalte Schweine und Hasen, Hexen und Teufelsfratzen soll der getreue Eckhart voranschreiten. Wer diesem Zug begegnet, werfe man sich am besten sogleich mit dem Gesicht zu Boden. (Vom Volksbrauch im Winter, 37)
In Moorhausmoor hieß es: In den Zwölften jagt der Helljäger auf der Erde, zu anderer Zeit zieht er durch die Luft; darum muß man dann Abends frühzeitig die Thüren schließen, sonst laufen drei Hunde in’s Haus, die bis zu den nächsten Zwölften liegen bleiben. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 253)
Die in diesem Zeitraum zwischen den Jahren erscheinenden wiederkehrende Seelen und Geister werden bewirtet oder durch Räuchern, Lärmen oder Kreuzeszeichen abgewehrt; viele Tabus sind zu beachten, man soll in dieser Zeit beispielsweise weder spinnen noch backen oder braten (so während der hilligen Tage im Siegener Land, Vom Volksbrauch im Winter, 37).
Als Lostage werden diese Nächte für eine Prognose des kommenden Jahres genutzt (daher auch Loostage). Jede der zwölf Nächte entspricht dabei einem der zwölf Monate.
Was immer man in diesen Nächten träumt, soll erfüllt werden.
Es gibt unzählige Sitten während dieser Zeit. In der Folge nur eine kleine Auswahl:
Um sich vor den bösen Geistern zu schützen (...) herrscht in katholischen Gegenden die Sitte, an gewissen Tagen der zwölf Nächte Zimmer und Ställe mit Weihwasser zu besprengen und mit Weihrauch zu durchräuchern. (Magisch-sympathetischer Hausschatz, Anm. S. 141)
Noch um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts wurde im Sieg- und Lahntal die Sitte des Julholzes gepflegt. Das war ein schwerer Eichenblock, den man zuunterst in den Herd legte und der zwar im Feuer mitglühte, im Laufe des Jahres aber kaum völlig verbrannte. Im Folgejahr legte man ein neues Holz in den Herd und pulverisierte die Überreste des alten. Das so gewonnene Pulver streute man in den Zwölften über die Felder, damit diese fruchtbarer würden. (FRAZER, 924)
Obstbäume werden fruchtbar gemacht (...), wenn man sie in den zwölf Nächten tüchtig prügelt. (Magisch-sympathetischer Hausschatz, S. 141)
In der Chemnitzer Rockenphilosophie heißt es: in den zwölften soll man die obstbäume keinen spinnrocken sehen lassen, sonst gibt es kein obst. (GRIMM, A. 399)
Wenn jemand in den Zwölften spinnt, so bewirkt die Murraue, daß die Schafe auf dem Gehöft von der Drehkrankheit befallen werden, und außerdem schickt sie noch allerhand Ungeziefer als Ratten, Mäuse, Sch(w)aben, Kröten, Frösche ins Haus (KUHN u. SCHWARTZ C. 182).
In den Zwölften darf man keine Stiefel schmieren, warnt man in Thomsdorf in der Ukermark. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 160)
man soll in den zwölften nicht dreschen, das getraide verdürbe, so weit der schall gehört wird. (GRIMM, A. 96)
In der Gegend von Friesoythe bis Zwischenahn im Oldenburgischen hieß es, in den Zwölfen dürfe sich kein Rad drehen, also weder ein Spinnrad noch ein Wagenrad. Auch nähte man nicht und mußte es doch sein, ging man zum Nachbarn. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 152)
Man soll in dieser Zeit auch keinesfalls spinnen. Links der Weser, um Höxter, Polle bis nach Bodenwerder meinte man, wer an Großneujahr oder in den Zwölften spinne oder haspele, der erhalte statt des Garns Blutwürste oder Bratwürste. Andernorts hieß es, man spinne sich dann Kröten ins Haus. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 153)
Auf Usedom und Wollin hieß es, wer in den Zwölften gesponnenes Garn trägt, den fresse der Wolf. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 164) Dort sagte man auch, davon bekomme das Vieh Läufe, ebenso, wenn man in den Zwölften Sand grabe. (ebd.)
In der Gegend zwischen Hameln und Minden, in den Hannöverschen Elbgegenden, Meklenburg u. s. w. heißt es, man dürfe in den Zwölften keinen Mist austragen, sonst werde das Vieh während des folgenden Jahres krank, oder man ziehe die Wölfe in den Stall. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 151)
Neben dem Mistfahren sei in dieser Zeit auch das Backen zu unterlassen. In Bergkirchen warnte man: Wenn man in den Zwölften Mist austrägt oder bäckt, so wird das Brot schimmelig. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 171) Im Mecklenburgischen Wredenhagen hieß es: In den Zwölften dürfen weder Backgeräth noch Holz vor dem Backofen liegen bleiben. (KUHN u. SCHWARTZ, 158)
Während der Zwölfnächte dürfen keine Erbsen gegessen werden (KUHN u. SCHWARZ, C. 159). In der Chemnitzer Rockenphilosophie riet man in dieser Zeit allgemein vom Verzehr der Hülsenfrüchte ab und empfahl in den den zwölf nächten erbsen, linsen, bohnen nicht zu essen, sonst bekommt man die krätze. (GRIMM, A. 56). Man soll mit Erbsen statt dessen die Hühner mit ihnen füttern, damit sie viel Eier legen (aus Camern, ebd., C. 167). Auch Bohnen sollte man, wie Erbsen, während der Zwölfen nicht essen, da man sich dann Geschwüre zuziehe (FRISCHBIER, 61).
In der ganzen Ukermark riet man, während der Zwölften, besonders aber zu Weihnachten, solle man grünen Kohl, einen Schweinskopf und Lungenwurst essen. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 161)
In Quatzow bei Mirow in Meklenburg werden die Verbote während der Zwölften noch sehr streng gehalten; viele Thiere darf man nicht bei ihrem rechten Namen nennen, und statt Fuchs muß man Langschwanz sagen, statt Maus Bönlöper u. s. w. sagen: wer das versieht, zahlt Strafe und nachher wird das Geld vertrunken. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 162)
Gelingt es, von der Wäsche eines Andern, die während der Zwölften noch nach Sonnenuntergang draußen gehangen, etwas zu entwenden, so kann man, benutzt man ein Stück davon als Sieblappen, dem Eigenthümer der Wäsche sämmtliche Milch seiner Kühe entführen. (aus d. Samland, FRISCHBIER).
Jeder der Zwölften ist für sich ein Tag der Wetterprognose, jeder der Tage soll dabei einem Monat entsprechen:
Wie’s in den Zwölfen ist, so ist das ganze Jahr über.
Denn in den Zwölften werde, so sagte man im Havelland, der Kalender für das ganze Jahr gemacht. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 163) In Schlesien und Österreich legte man solcher Prognose die zwölf Tage von Sankt Lucia (13. Dezember) bis Weihnachten zugrunde. (LECOUTEUX, 221)
Die Tage sollen sich aber auch für die kurzfristige Prognose eignen:
Ist’s in den Losnächten mild, sind sie milden Winters Bild.
Sogar sehr detaillierte Verfahren sind überliefert. So soll das Wetter in der ersten Nacht vom (Vor-)Abend bis Mitternacht das Wetter des ersten Januarviertels, von Mitternacht bis zum Morgen das Wetter des zweiten Januarviertels, von Morgen bis zum Mittag das Wetter des dritten Januarviertels und der Rest des Tages das Wetter des übrigen Januars andeuten. Ebenso verfährt der Wetterprophet mit den weiteren Nächten.
Es hieß auch, was man in den Zwölften träumt, treffe in den kommenden zwölf Monaten ein. (aus Arnstadt, KUHN u. SCHWARTZ, C. 165)
Manche raten dringend vom Verzehr jeglicher Hülsenfrüchte (Erbsen, Bohnen, Linsen) während der Zwölften ab, zudem sei auch der Fleischverzehr bedenklich: ißt man in den zwölften hülsenfrüchte, so erkrankt man, ißt man fleisch, so fällt das beste vieh im stall. (GRIMM, A. 814)
Weiteres Brauchtum unter: Perchta (Perchtenmasken, Perchtenläufe), Toten-Maschkerer-Züge, Besenweibl, Julholz