Das Schwarze Netz - zum Anfang< zurück
 Leib und Körperteile
 
 

Schädel, Totenkopf

Dem abgetrenntem Kopf ist zuweilen weiter Leben und Eigenschaft seines ehemaligen Trägers inne. So berät sich der nordische Odin mit dem Haupte des seherisch begabten Riesen Mimirs oder der griechische Perseus nutzt das Haupt der von ihm geköpften Medusa als tödliche Waffe.

In der nordischen Mythologie ist der gesamte Himmel als Schädeldecke eines gewaltigen Riesen gedacht. Es ist dieses die Hirnschale des Ymir (Edda, Grimnirlied 40), den die Asen erschlugen und dessen Schädeldecke nun von den vier Dvergr (Zwergen) Nordi, Austri, Sudri und Vestri getragen wird, wobei diese Zwerge den Himmelsrichtungen entsprechen.

Im Märchen „Die Gänsemagd” ist es der Kopf des Pferdes Falada, der die Wahrheit über die Königstochter enthüllt, die als Gänsemagd dienen muß und ihr durch sein Sprechen zu ihrem Recht verhilft. (GRIMM, Kinder- und Hausmärchen 89)

Dem Templer-Orden unterstellte man, einen Schaedel anzubeten, der den Dämon Behemot dargestellt habe.

Ob ein unterm Viehstall vergrabener Totenkopf eher nützlich oder schädlich ist, bleibt umstritten. Einerseits soll er das Vieh vor Krankheit bewahren, besonders das Gedeihen der Pferde (GRIMM, Deutsche Mythologie, Bd. III, 463, Aberglaube Nr. 815), andererseits wird empfohlen, einen Schädel im Stall des Nachbarn zu vergraben, um dessen Vieh um die Gesundheit zu bringen.
Bei Kopfschmerz soll die Berührung eines Schädels die Pein in jenen ableiten.

Im Totenschädel eines Verbrechers soll der unerschrockene Jäger treffsichere Freikugeln gießen.

„wer seinen tauben aus einem menschenschädel zu saufen gibt, in dessen schlag kommen fremde tauben geflogen.” (GRIMM, Dt. Mythol. III., A. 1054, 474)

Ein Mittel gegen Zahnschmerzen, gedruckt im „Magisch-sympathetischen Hausschatz”: Überwindet man eigenes Grauen, ethische Bedenken und die Grenzen des Strafrechts, so gehe man um Mitternacht auf einen Friedhof und beschaffe sich den Zahn eines Totenschädels. Mit diesem Zahn soll man den eigenen, schmerzenden Zahn reiben (in: BAUER, 1996, Das sechste und siebente Buch Mosis, 39).

Mancher christlicher Heiliger wird mit Totenkopf dargestellt, so etwa Markarios.

siehe auch „Sprechender Kopf