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 Tierwelt
 
 

Haustiere

Als Haustiere (Nutztiere, Heimtiere, Vieh) bezeichnet man alle jene Tierarten, die der Mensch zur Rohstoffgewinnung (Milchkuh, Speckschwein, Wollschaf) oder zu Dienstzwecken (Kriegselefant, Packesel, Hütehund, Orakeltier, Unterhaltung) seit altersher hält und die durch lange Gewöhnung anders als Wildtiere dem Menschen gegenüber zahm sind und wie die Menschen in künstlichen Behausungen leben (Haus, Stall, Koppel).
In aller Regel unterscheiden sich die Haustiere erheblich von ihren wildlebenden Stammeltern, da je nach Einsatzgebiet vielfältige Rassen herausgezüchtet wurden. Diese geben beispielsweise mehr Milch, sind größer und dicker (Zugtiere, Fleisch), legen mehr Eier, haben ein anderes Fell (Wolle) oder sind besonders putzig und gutmütig (Schoßtier).

Als ältestes Haustier gilt der vom Wolf stammende Hund, schon früh zähmte der Mensch auch das Pferd. Weitere wichtige Weidetiere sind Rinder, Ziegen, Schafe, Gänse und Schweine, welche der Hirte zu ergiebigem Grund führt. Näher am Haus lebt das Federvieh, Hühner und Tauben.
Unerwünschte, als Ungeziefer betrachtete Haustiere, Ratten oder Mäuse, soll die Hauskatze abhalten. Dem Menschen weniger nahe sind die in Korb oder Teich gehaltenen Honigbienen und Karpfen. Außer zu diesen praktischen Zwecken werden zahllose Arten von Heimtieren gehalten (Ziervögel, Zierfische, Kerbtiere, Kleinsäuger).

Ungewöhnliche Haustiere (Amsel, Fliege) galten in dunklen Zeiten häufig als verwandelte Kobolde, vielen Hexen wurde vorgeworfen, einen derartigen kleinen Teufel zu halten, der sich in Gestalt eines solchen Tiers verberge.

 

Schutzgottheiten und -patrone rund um Haustier und Vieh

Als Schutzgott der Herden, besonders der Schafe, galt den Griechen der Pan.

Christliche Schutzpatrone für diese dem Menschen besonders wichtigen Tiere gibt es viele:

Allgemein den Haustieren stehen Antonius der Große, Ambrosius von Mailand, Erasmus (Elmo), Jodokus (Jobst), Johannes der Täufer, Martin von Porres, Silvester I., Veit und Walburga bei.

Dem Vieh helfen Adalar, Ägidius, Castorius, Claudius, Eustasius, Florus, Fridolin von Säckingen, Georg der Märtyrer, Guarinus von Sitten, Guido (Wido) von Anderlecht, Gunthildis von Suffersheim, Irmund von Mündt, Koloman, Laurus, Leonhard von Noblat, Lukas, Maginold, Mammas Nicostratus, Oswald, Oswald von Worcester, Patrick von Irland, Saturnina von Arras, Sebaldus von Nürnberg, Theodor von Sitten, Symphorianus, Wendelin und Wolfgang, insbesondere für Geflügel und Federvieh sind Vinzenz von Valencia und Brigida von Kildare zuständig.

Besonders den Herden steht Wendelin vor (siehe Hirten), den Hunden Rupert von Salzburg.

„Sankt Wendelin, verlaß uns nie,
schirm unseren Stall, schütz unser Vieh.”

Sollte sich ein Tier verirrt haben, hilft Ida von Toggenburg für das Wiederauffinden entlaufenen Viehs.

Gefährlicher sind Viehkrankheiten. Vor diesen bittet man Antonius von Padua, Erasmus, Heinrich von Ebrantshausen, Gerlach von Houthem, Ignatius von Loyola, Patrick von Irland, Pantaleon oder Uguzo von Cavargna um Schutz. Ist das Vieh bereits erkrankt, steht Notburg von Rattenberg bei, handelt es sich um eine Viehseuche, dann hofft der gläubige Hirte auf Agatha von Catania, Antonius der Große, Charalampos, Christina von Belgien, Edigna von Puch, Fridolin von Säckingen, Guarinus von Sitten, Guido von Anderlecht, Gunthildis von Suffersheim, Valentin von Rätien, Wendelin oder Winthir von Neuhausen, allgemein bei Tierseuchen versichert man sich Bernhards von Clairvaux.

 

Haustier und Vieh im Volksglauben

Wird das Vieh übermäßig gelobt, so soll es davon verrufen (behext) werden können, „sicher geschieht es, wenn ein altes Weib in den Stall tritt, die Thiere streichelt und dabei sehr lobt.” (aus Litauen, n. FRISCHBIER, 3) Auch in Bielefeld mahnte man: „tritt eine alte, mit triefenden augen, ins haus, redet ein kind an und liebkost es, so behext sie es; ebenso wenn sie das vieh anrührt und bewundert.” (GRIMM, A. 787)

Um das Vieh vor Verhexung zu schützen rät ein anderer Aberglaube, in der Walpurgisnacht die Stalltüren mit drei Kreuzen zu versehen, damit die Hexen weder einem selbst noch dem Vieh schaden können. Man soll zu solchem Zwecke auch Kreuzdorn auf Krippen, Futtertröge und Stalltürschwellen nageln (Sechstes und siebentes Buch Mosis, 135).

Ein Aberglaube im Saalfeldischen besagt: „frühjahrs, beim ersten austreiben des viehs, legen sie äxte, beile, sägen und ander eisengeräth vor die stallthür. es kann dann nicht bezaubert werden.” (GRIMM, A. 516)

Auch ein schwarzer Bock oder ein Bock mit einem schwarzen Kreuz auf seinem Rücken soll das übrige Vieh im Stall vor allerlei Behexung und Schadenszauber bewahren. (Sechstes und siebentes Buch Mosis, 81)

An das Vieh verfütterte man auch gesalzene Heringe, um Hexerei abzuwehren. (WEHR, 112)

hollunder vor die stallthür gepflanzt, bewahrt das vieh vor zauberei.” (Chemnitzer Rockenphilosophie, GRIMM, A. 169)

Hilfreich soll auch der Teufelsabbiß sein.

Beim ersten Austrieb des Viehs auf die Weide soll man einen Placken Rasen vor den Stall legen. Das bewahre das Vieh vor der Grasseuche (wohl Grasbrand, aus Mellin,, KUHN u. SCHWARTZ, C. 363)

 

Als ein Abwehrzauber zum Schutz des Viehs gegen jeglichen Zauber soll an den Pfosten der Stalltür ein Zettel mit folgender Inschrift genagelt werden (n. FRISCHBIER, 13):

† A † C † S † M † S † C † V †
S † T † S † S † M † T † M † T † M
S † S † T † S † S † C † S † M †
S † C

Am ersten Weihnachtstag oder Neujahr fütterte man im Samland all sein Vieh frühmorgens mit ungedroschenem Getreide oder Körnern aller Art. Das sollte die Fruchtbarkeit des Viehs fördern. (FRISCHBIER 130)

Geht jemand mit nur einem Schuh, den anderen Fuß bloß, die Straße entlang, so soll alles den Weg daherkommende Vieh erkranken, fürchtete man in Bielefeld. (GRIMM, A. 788)

In Bielefeld sagte man: „weihnachten zwischen XI und XII wird das wasser wein, und das vieh steht auf; wer es aber untersuchen will, erblindet, ertaubt oder ist ein kind des todes.” (GRIMM, A. 792)

 

Vieh als Wetterzeiger

Das Vieh zeigt auch das Wetter an:

„Schnappt im Juli das Weidevieh nach Luft,
riecht es schon Gewitterduft.”

Spezielles zu einzelnen Haustierarten siehe unter Schafe, Ziegen, Pferde, Esel, Rind, Schwein, Hühner, Gänse, Taube, Hund, Katze.