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| Edelsteine | |
(auch Agstein, germ. glesum, ahd. glas, griech. Elektron) Dieser Edelstein, genaugenommen kein Stein, sondern das verfestigte Harz von immergrünen Nadelbäumen, war und ist ein beliebter Schmuck, als Amulett getragen soll er wohltätig wirken.
Oft ist der Bernstein durchscheinend, in reiner Form gewöhnlich hellgelb, es sind gut 200 Farbschattierungen beschrieben, von milchig-weiß bis kirschrot (MESENZEW, 26).
Der Bernstein ist brennbar (er besteht aus 79% Kohlenstoff, je 10,5% Wasserstoff und Sauerstoff), kann zu Öl verarbeitet werden und läßt sich statisch aufladen (vgl. Elektron). Diese für einen Stein merkwürdigen Eigenschaften waren es wohl, die dem Bernstein besondere Heilkraft beimessen ließen. So sollen insbesondere stillende Mütter eine Kette von Bernstein tragen, da dann das Kind vor Unglück gefeit sei.
Bernstein war schon im Altertum sehr beliebt. Es gab verschiedene Erklärungen für die Entstehung dieses merkwürdigen Gesteins. So meinten man, er entstehe aus dem Urin des Luchses und nannte den Bernstein darum Lynkur (Luchsstein).
Bei TACITUS ist zu lesen, daß das hoch im Norden lebende germanische Volk der Ästier den Bernstein zwar kannten und zur Vermarktung nach Rom sammelten, ihn selbst aber weder nutzten noch um seine Entstehung wußten. Die Germanen nannten den Bernstein glesum (Germania, 45), woraus im Althochdeutschen Glas wurde, ein Wort, das man später auf den durch die Römer bekannten und noch heute so genannten Werkstoff übertrug (ebd., Anm. S. 135). TACITUS deutet das Material seinerseits als verfestigtes Baumharz, worauf darin häufig befindliche Tierchen schließen ließen (ebd. 45).
Diese Einschlüsse lassen bis heute die Herzen von Biologen höher schlagen, wenn sich darin bislang unbekannte Formen ausmachen lassen (vgl. die Entdeckung einer neuen Ordnung der Insekten in Bernstein, siehe Mantophasmatodea).
Im Norden hieß es vom Bernstein, er entstehe aus den ins Wasser fallenden Tränen der Göttin Freyja (COTTERELL, 236).
Die englische Bezeichnung für den Bernstein, Amber, soll von den Ambronen herrühren, einem germanischen Stamm, der im Gebiet der heutigen Insel Amrum im Wattenmeer siedelte.
Aus Litauen, einem wichtigen Fundort des Bernsteins, ist die Legende von der Meeresgöttin Jurate, die in einem prächtigen Unterwasserschloß wohnte, das ganz aus Bernstein erbaut war. Einst verliebte sich Jurate in den Fischer Kastitis und holte ihn zu sich in ihren unterseeischen Palast.
Wegen dieser Verbindung mit einem Menschen zürnte Perkunas, der Vater der Jurate, mit seiner Tochter, tötete den Kastitis und zerschmetterte das Bernsteinschloß. Bis heute werden die Trümmer als Bernsteinbrocken an die Küste der Ostsee gespült (MESENZEW, 24).
In einer iranischen Sage hatte Tur seinen jüngeren Bruder Irej getötet und dessen abgeschlagenes Haupt mit Moschus und Bernstein gefüllt dem entsetzten Vater überstellt.
Stillende Mütter schützen ihre Kinder mittels einer Bernsteinkette (s. o.).
Aus dem Bernstein gewonnenes Öl soll krampflösend wirken.
Es beruht übrigens nicht auf Aberglauben, wenn schweizer Mütter ihren Kindern, wenn sie zahnen, Bernsteinketten um den Hals legen, sondern darauf, daß Bernstein - wie Messing und Kohle - höchste Durchstrahlkraft - eine sechsfache aufweist (MOHLBERG, nach SCHRÖDTER).
Henrik Ranzau gibt seinen Söhnen folgenden Rat: ,An euren Händen solltet ihr immer Korallen, Bernstein, Achat oder kostbare Steine haben.’ (in: Sechstes und siebentes Buch Mosis, 198)
Als Entsprechung zum Bernstein gilt die Rune Uruz.
Der Bernstein ist astrologisch dem Tierkreiszeichen Wassermann zugeordnet.
Planetarische Entsprechung des Bernstein ist laut G. BRAUNGER Isis (Transpluto), beeinflußt von Pluto oder Jupiter (in: CHOCRON, 134).