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 Allmende
 
 

Seher, Wahrsagen, das Prophezeien

auch Heid, Hellseher, Prophet, Wölwa, Zweites Gesicht

Die Fähigkeit, etwas richtig vorauszusehen, ohne daß hierbei technisch nachvollziehbare Methoden verwendet werden. Das Wahrsagen ist vielfach mit Sterndeutung, Mantik, Visionen, Hellsehen und verschiedenen Zaubern verbunden. Es ist in verschiedenen Religionen von Bedeutung und wird dort vielfach als besondere göttliche Begnadung angesehen.

Seher, also Wesen, die in die Zukunft schauen können, werden oft einäugig oder blind dargestellt, in der germanischen Sage mit blauem Mantel. Auch Toten, die ja im Jenseits existieren, wird besonderes Wissen um künftiges Schicksal beigemessen.

In der griechischen Mythologie: Die Orakel, besonders das von Delphi, weiter das des Glaukos in Delos. Die Seher Kalchas, Mopsus, Teiresias, seine Töchter Daphne und Manto, Phineus, der den Argonauten den Weg nach Kolchis weist. Die Seherin Kassandra.

Die Bibel weiß von der Hexe von Endor, einer Nekromantin, und der Prophetin Holda. Auch sämtliche Verfasser der prophetischen Bücher sind Seher, aus dem Neuen Testament kennt man Johannes den Täufer, den drei Weisen aus dem Morgenland und Johannes, den Autor der Offenbarung. Nach muslimischer Auffassung ist auch Jesus ein Prophet und damit Vorgänger des Mohammed.

Bei den Römern war die Carmenta eine Seherin, die dem Hercules sein Schicksal weissagte. Bedeutend war besonders die Autorin der Sibyllinischen Bücher.

In der germanischen Mythologie ist die Voluspa das Eingangslied der Edda, der Thinggemeinde mitgeteilt von einer Seherin (Wölwa), die das alte Wissen bewahrt hat. In dem Lied wird auch von der seherischen Heid Gullveig berichtet (Voluspa 15,16).

Die Seherin Veleda hatte am Bataveraufstand erheblichen Anteil.

Eine Seherin des deutschen Nibelungenliedes ist Ute. Die deutet ihrer Tochter Krimhild einen Traum dahingehend, daß ein von Adlern zerissener Falke ihr späterer Ehemann (Siegfried) sei, der ein gewaltsames Ende finden würde.

Der Trunk aus verschiedenen Quellen verleiht die Gabe der Weissagung. Beispielsweise in nordischer Mythologie Mimirs Brunnr, aus der der einäugige Odin trinkt oder bei den Griechen die Quelle der Musen am Parnassos.

In jüngerer Vergangenheit ist als Seherin besonders das Bauernmädchen Bernadette zu erwähnen, der 1858 in Lourdes die Muttergottes erschien. Ein bekannter Inhaber des Zweiten Gesichts war im Nordfriesland des 18./19. Jh. Boy Johannsen aus Niebüll.

Orakelgötter sind beispielsweise der nordische Odin, der die Runenweisheit gewann oder der auf Rügen verehrte slawische Svantevit, der per Pferdeorakel befragt wurde. Besonders im griechisch-römischen Raum waren Orakel von enormer Bedeutung, besonders das Orakel von Delphi und etliche andere dem Gott Apollo geweihte Heiligtümer. Auch Zeus und die älteren, weiblichen Gottheiten gaben über das Schicksal Auskunft.

Ein Beispiel für den blinden Seher und Sänger findet sich vielleicht unter den mittelalterlichen Minnesängern. Die „Große Heidelberger Liederhandschrift” zeigt den Minnesänger Marner (Wirkung ~1220 und 1270), der, am Feuer sitzend, einen Schluck aus einem Kessel nimmt. Die Szene erinnert an den Skaldenmet Odrörir. Marner erblindete später und wurde ermordet (diese „Große Heidelberger Liederhandschrift” steht im Internet zur Verfügung:
Uni-Heidelberg, Miniatur 349r).

 

Besonders zu Mariä Lichtmeß geborene Kinder sollen die Gabe der Hellsichtigkeit besitzen (Vom Volksbrauch im Winter, 58).