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 Pflanzenwelt
 
 

Der Apfel

Malus communis
Rosaceae (Rosengewächse)

Der Apfelbaum

Bei einem Wirte wundermild
da war ich jüngst zu Gast;
ein goldner Apfel war sein Schild
an einem langen Ast.

Es war der gute Apfelbaum,
bei dem ich eingekehret;
mit süßer Kost und frischem Schaum
hat er mich wohl genähret.

Es kamen in sein grünes Haus
viel leichtbeschwingte Gäste:
sie sprangen frei und hielten Schmaus
und sangen auf das Beste.

Ich fand ein Bett zu süßer Ruh
auf weichen grünen Matten;
der Wirt, der deckte selbst mich zu
mit seinem kühlen Schatten.

Nun fragt ich nach der Schuldigkeit,
da schüttelt er den Wipfel.
Gesegnet sei er allezeit
von der Wurzel bis zum Gipfel!
(Ludwig Uhland)

Den Apfel brachten die Römer nach Germanien. Diese brachten als Besatzer die ihnen aus der Heimat vertrauten Früchte (wie auch den Wein) mit und die Einheimischen lernten sie von ihnen kennen. Zwar kannten bereits die Germanen den sauren und kleinen Holzapfel, der nach Funden zu urteilen gern gegessen wurde, aber eine Verfeinerung der Zucht brachten erst die Römer. Den römischen Namen der Frucht übernahmen die Germanen hingegen nicht, sie blieben bei ihrem Apfel (im Mittelalter auch „Affalter” genannt).

Apfelblüte (Holsteiner Cox).
Apfelblüte (Holsteiner Cox). Im Garten d. Verf., April 2004

 
Wie der Birnbaum bei freiem Wuchs eine birnenförmige Krone bildet, bleibt der Apfel rundlich wie seine Frucht selbst (FISCHER-RIZZI,13) - ein Beispiel für den Mikrokosmos im Makrokosmos. Der Apfel ist Symbol der Erde, des Lebens, der Liebe und Fruchtbarkeit. Er ist Attribut der Göttin, die als Dreiheit Leben schenkt und nimmt: Demeter, Aphrodite, Venus, Idun, Ishtar, Hathor und andere. Auch die Maria wird als Himmelskönigin mit dem Apfel in ihrer Hand dargestellt. Diese Weltherrschaft symbolisiert der Reichsapfel als Insignie des Kaisertums.

Die dauernde Jugend verdanken zahlreiche Göttergeschlechter Äpfeln, die Göttinnen in entfernten Gärten zogen (Idun, Hera). Einen dieser Äpfel zu erlangen ist Gegenstand vieler Mythen und Märchen. Herakles zieht zum Garten der Hesperiden, um einen der vom Drachen Ladon bewachten Äpfel zu holen.
Der Apfelbaum bittet in „Frau Holle” das Mädchen darum, gerüttelt und geschüttelt zu werden.

Die wohlschmeckende Frucht hat mehrfach die Menschheitsgeschichte nachhaltig beeinflußt. Der Bibel zufolge war es Eva, die auf Anraten der Schlange mit Adam von dieser Frucht aß, daraufhin Erkenntnis erlangte und von Jahwe, der ebendas verboten hatte, aus dem Paradies vertrieben wurde (Genesis). Alllerdings ist in der Bibel nicht von einem Apfel, sondern nur von einer nicht weiter bestimmten Frucht die Rede.
Die Gründung des römischen Weltreiches ist letztlich jenem Apfel zu verdanken, den die Eris inmitten eine Hochzeitsgesellschaft rollen ließ. Sie selbst war nicht geladen und rächte sich, indem sie den Apfel „der Schönsten” widmete. Drei anwesende Göttinnen, Hera, Athene und Aphrodite, stritten nun, welcher von ihnen der Apfel zukäme und baten den Paris um ein Urteil. Er entschied sich für Aphrodite, die ihn mit der Aussicht auf die schöne Helena bestach. Um diese Helena zu gewinnen machten sich die Griechen gegen Troja auf, das sie nach 10 Jahren Krieg endlich eroberten.
Als einer der Flüchtlinge entkam der Aeneas, der via Karthago nach Italien gelangte, wo seine Nachfahren Rom gründeten.
Dieser „Apfel des Paris” soll aber gar kein Apfel, vielmehr eine Quitte gewesen sein, da seine Beschreibung als flaumige Frucht besser auf eine Quitte passe.

Der Legende zufolge führte der Diebstahl eines Apfels dazu, daß Judas zum Vatermörder und aus Reue darüber zum Jünger Jesu wird, der ihn später verriet (so zu lesen in der Matthiaslegende bei J. d. VORAGINE, Legenda Aurea).

Ein berühmtes Thema der Sagen ist der kühne Bogenschuß auf einen Apfel, der auf dem Kopf des Kindes des Schützen gelegt war. Zu einem solchen Schuß wurde beispielsweise der germanische Eigil oder der antike Sarpedon genötigt, am bekanntesten ist vielleicht der Nationalheld der Schweiz, Wilhelm Tell.

Kerngehäuse
Das Kerngehäuse des Apfels bildet, quer aufgeschnitten, ein Pentagramm.
Auch dieses Phänomen ließ den Apfel in der Hexerei zum beliebten Utensil beim Liebes-zauber werden.
 
Wie der Apfel männliche Liebesgabe ist, so ist die weibliche die Walderdbeere. (MALA, 124)

 
 
Bekannt ist die gesundheits- und lebensspendende Wirkung des Apfels, ob diesseits oder jenseits. Die Sitte, dem gebratenen Schwein (Julschwein) einen Apfel in das Maul zu legen, rührt von der Symbolik des Apfels als Lebensfrucht her. Dieser Apfel dient dem Schwein in seinem nächsten Leben als Herz, ist diese Frucht doch Zaubermittel der Idun zur Verjüngung und Auferstehung. Der Apfel dient dabei als Transporter der Seele von einem Körper in den nächsten.

Auch die Mythologie der Kelten kennt Äpfel der Unsterblichkeit, die bei ihnen in Avalon angesiedelt sind.

Biblischer Überlieferung zufolge ist Rachel zunächst unfruchtbar, nach dem Erwerb von Liebesäpfeln gebärt sie dem Jakob erst Josef, später Benjamin (1. Mose 30,14ff). Diese Liebesäpfel sind möglicherweise Früchte der Alraune.

Häufig ist mit dem Apfel auch der Granatapfel gemeint.

 

Weiteres

„In der Gegend von Mülrose ist es Sitte, daß der Tänzer auf einer Hochzeit seiner Tänzerin einen Krug Bier reicht und dafür einen Apfel von ihr bekommt.” (KUHN u. SCHWARTZ, C. 290)

Ein Mann soll in der letzten Nacht des Jahres nackt einen Apfelbaum schütteln. Das gewähre das folgende Jahr stete Potenz — sagt man in Tirol.

Griechen

In Böotien wurden dem Herkules Melius Äpfel geopfert.

Der Hippomenes hatte von der Göttin Aphrodite drei goldene Äpfel bekommen. Im Wettlauf mit der Atalanta, den er gegen sie als ihr Freier zu bestehen hatte, warf er die Äpfel nacheinander der Begehrten in den Lauf, um sie abzulenken und aufzuhalten. Weil Atalanta das Rennen insgeheim recht gern verlor, kann Hippomenes so tatsächlich als erster das Ziel erreichen und wird Atalantas Gatte.

 

Heilkunde

Der „Magisch-sympathetische Hausschatz.” rät gegen Warzen, die Innenflächen eines halbierten Apfels gegen die Warzen zu reiben, den Apfel wieder zusammenzulegen und ohne darüber zu sprechen unter der Dachtraufe zu vergraben (in: Das sechste und siebente Buch Mosis, 40)

Bei Sodbrennen soll man zwei Äpfel essen.

 

Man kann junge Äpfel oder Birnen mit einem ausgeschnittenen Papier bedecken und so auf der reifen Frucht eine Inschrift oder ein Bild erscheinen lassen, da die bedeckten Stellen blaß bleiben — ein originelles Geschenk.

 

Lagerung von Äpfeln

Die verschiedenen Apfelsorten sind unterschiedlich lagerfähig. Bei passenden Bedingungen (kühl, aber frostfrei) rechnet man:

bis Mittre Februar: Jakob Lebel, Landsberger Renette
bis Ende Februar: Gelber Edelapfel, Goldparmäne
Mitte März: Cox Orange
bis Mitte April: Kaiser Wilhelm, Boskop, Nordhausen, Zuccalmaglios Renette
bis Juni: Ontario, Bohnapfel

Dieser kleinen Auswahl läßt nicht entnehmen, daß man bei entsprechender Sortenwahl — und den nötigen Platz — fast das ganze Jahr Äpfel zur Verfügung haben kann.