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 Körper / Zauberei
 
 

Krankheiten und Heilzauber

Vorbemerkung: Beim „Schwarzen Netz” handelt es sich um eine Sammlung mythischer, magischer oder sonstwie wissenschaftlich unklarer Gegebenheiten, keinesfalls um ein medizinisches Lexikon!
Bei Beschwerden sollten Sie darum besser spezialisierte Internetangebote aufsuchen oder sich an einen geschulten Heilberufler wenden.

Gesundheitliche Unbill wird in Mythologie und Aberglauben gern dem Einwirken dämonischer Mächte zugeschrieben. Diese Dämonen suchen ihr Opfer entweder selbst aus, bemächtigen sich seiner im Auftrag eines Gottes oder werden durch feindlichen Zauber, etwa einen Fluch, gegen den Patienten beschworen. Zur Abhilfe wird besondere Frömmigkeit empfohlen oder der Exorzist um Hilfe gebeten.

Je weniger ein Mensch mit sich und seiner Seele im Reinen ist, desto leichter fällt es dem Dämon, ihn heimzusuchen. Solche Vorstellungen sind so abwegig nicht, auch viele moderne Mediziner gehen davon aus, daß trübselige Menschen leichter erkranken als fröhliche.

Ein einfacher Heilzauber ist, den Namen des erkrankten auf einen Zettel zu schreiben und zu verschlucken, wodurch die Krankheit mit verschwinden soll. Andere Methoden sind die Behandlung eines verursachenden Gegenstandes, etwa ein Messer zu verbinden oder zu besprechen, mit dem man sich geschnitten hat oder, als ein Sympathiezauber, ein Bild des Erkrankten zu behandeln. Im christlichen Raum galt die Anrufung von Heiligen als Mittel der Wahl, wohl für jede Erkrankung gibt es einen oder mehrere Schutzpatrone. Daß derartige Methoden umstritten sind, liegt auf der Hand, als ergänzendes und stärkendes Mittel mögen Heilzauber und Gebete jedoch hilfreich sein.

Wie Krankheiten durch Magie vertrieben werden sollen, so werden sie auch durch absichtliches Verrufen geschickt, wobei Wortmagie und Gegenstände einander ergänzen.
„Krankheiten hext man seinen Feinden dadurch an, daß man ihnen bezauberte Haare nachwirft, oder solche vor eine Thür hinstreut, durch welche der zu Beschädigende hindurch gehen muß.” (v. TETTAU und TEMME, Die Volkssagen Preußens, Berlin 1837, n. FRISCHBIER, 5)

Im Mittelalter ordnete man bestimmten Krankheiten bestimmte Dämonen als deren Verursacher zu, als deren Heiler bestimmte Heilige. Beispielsweise ist St. Blasius für Halskrankheiten zuständig. (HABIGER-TUCZAY, 214)

Um sich vor vermeintlichen Krankheitsdämonen zu schützen, werden Amulette getragen, besondere Edelsteine oder Pflanzenteile, welche die Dämonen abwehren sollen (z. B. Lorbeerblätter, Wacholder).

Von den Vögeln soll das Rotkehlchen Krankheiten abwehren. (WEHR, 182)

Agrippa von NETTESHEIM hielt bei Krankheit die Anrufung von Heiligen für vielversprechender als die Hoffnung auf Engel:
„Von unseren heiligen Heroen aber glauben wir, daß sie durch göttliche Gewalt Großes vermögen; über sie alle herrscht, was auch die hebräischen Theologen bezeugen, die Seele des MESSIAS, d. i. JESUS CHRISTUS, der durch seine verschiedenen Heiligen, als durch hierzu geeignete Glieder, die verschiedenen Gaben seiner Gnade, in dieser unteren Welt austeilt, wobei den einzelnen Heiligen eine besondere Mitwirkung obliegt.
Wenn wir uns daher mit unseren Bitten an sie wenden und sie anrufen, so verleihen sie uns nach der vielfachen Verteilung der Gnaden höchst bereitwillig ihre besonderen Gaben, Wohltaten und Gnaden, und zwar schneller und reichlicher als die englischen Gewalten, da sie uns näher stehen und mehr mit unserer Natur verwandt sind, denn sie waren einst selber Menschen und lernten die menschlichen Leidenschaften und Schwachheiten kennen. Auch sind ihre Namen, Grade und Ämter uns bekannter.” (De Occulta Philosophia, Kap. XLI, zit. n. SCHRÖDTER, 134)

Christliche Schutzpatrone der Kranken allgemein sind Alexius von Edessa, Elisabeth von Thüringen, Hildegard von Bingen, Irene von Rom, Johannes von Gott, Kamillus von Lellis, Lidwina (Lidwiga, Lidia), Lukas, Maurus von Subiaco. Allgemein gegen Krankheit angerufen werden auch Achatius, Hemma von Gurk, Jodokus (Jobst), Koloman, Raphael, Regina, Thekla von Ikonium, Theodulf von Trier und Wolfsind. Weiter gibt es für viele Krankheiten spezielle Fachpatronate.

„Dagegen ist kein Kraut gewachsen” meint der Volksmund bei unabwendbaren Verdrießlichkeiten. Das Sprichwort spielt darauf an, daß die Volksmedizin gegen (fast) alle möglichen Gebresten ein kräutermedizinisches Mittel weiß, wobei der therapeutische Ansatz häufig zwischen naturwissenschaftlich nachvollziehbarer Wirksamkeit und unerklärter Magie schwankt.

Umstrittener ist der Heilangriff durch Edelsteine (Lithotherapie, v. gr. lithos, „Stein” u. therapeia, „Behandlung”), deren Ursprung in einem dem sagenumwobenen Sänger Orpheus zugeschriebenen Gedicht Lithika gesehen wird (SCHRÖDTER, 41).

 

Träumt man von vielen und kleinen Läusen, so soll das Krankheit bedeuten. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 472)
„Fällt einer im Traum ins Wasser, so bedeutet es ihm Krankheit.” (KUHN u. SCHWARTZ, C. 475)

 

Es gibt verschiedene Mittel um festzustellen, ob eine Krankheit durch behexendes Verrufen hervorgerufen wurde oder nicht.

In der „Chemnitzer Rockenphilosophie” steht zu lesen: „man koche frauenflachs, szysche oder rufkraut, bade den kranken damit und setze das bad unters bett. ist er beschrien, so laufts zusammen, sonst nicht.” (GRIMM, A. 4)

 

Sammlung einiger Gebresten: Asthma, Aufstoßen, Ausschlag, Bauchschmerz, Blähungen, Blutkrankheiten, Entzündungen, Epilepsie/Fallsucht, Gicht, Geschwüre, Hühneraugen, Husten, Hysterie, Impotenz, Kolik, Kopfschmerz, Kropf, Magenbeschwerden, Melancholie, Migräne, Mitesser, Müdigkeit, Niesen, Ohrenleiden, Pest, Pocken, Schlaganfall, Sodbrennen, Sommersprossen, Steinleiden, Trunksucht, Typhus, Verstopfung, Verwundungen, Warzen, Wassersucht, Weißfluß, Zahnschmerz; siehe auch Mensch und Körper.
Früher (irgendwo sicher noch heute) wurde auch die Regelblutung als „Krankheit der Frauen” bezeichnet.