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 Künste und Gewerke
 
 

Jagd und Jäger

Die Jagd auf Tiere gilt als eine der ältesten menschlichen Beschäftigungen, die neben dem Sammeln von Früchten dem Erwerb von Nahrung und Grundstoffen für Kleidung und Werkzeug diente, ehe man Feldbau und Viehzucht kannte.

Wo der Mensch vom Ertrag der Jagd abhängig ist, sucht er durch Anbetung höhere Mächte seinen Erfolg zu sichern, auch gilt es, durch die Jagd begangene Schuld abzutragen, sei es, weil einem Tier das Leben genommen wurde, sei es, weil das gejagte Wild einem Waldgeist gehörte.
Darüber hinaus empfiehlt sich dem Jäger der Einsatz magischer Mittel, dem Jagdglück nachzuhelfen.

Grundsätzlich sind die Tage zu beachten, an denen die Jagd verboten ist. Wer etwa am Tag des Heiligen Markus (25. April) jagen geht, dem soll das weitere Jahr über Jagdpech sicher sein (WEHR, 133).

Die Jagd lohnt nur, wo es Wild gibt. Damit das im Revier bleibt, greift man außer zum Wildfutter auch zum Galgenstrick. Solches Seil eines Gehängten soll wie ein Pflug rings um das Jagdrevier gezogen werden, man hofft, das Wild bleibe dann am Standort (WEHR, 1991, 133; vgl. die Artikel magischer Kreis und Furche.)

Man sollte beim Laden der Flinte auch darauf achten, daß kein Schrotkorn danebenfällt - kein Schuß wird hernach sein Ziel erreichen. Wem es aber auf den todsicheren Schuß ankommt, der trachte danach, Freikugeln zu erlangen, die niemals ihr Ziel verfehlen, dafür allerdings die Seele kosten.

Der zaubergläubige Jäger verspricht sich auch vom Sonnentau einen sicheren Schuß, wenn er solches Kraut mit sich führt.

Stets treffen soll auch, wer auf der Pirsch die Worte:

„komm teufel und halte mir das thier
ich gebe dir meine seele dafür.”

spricht. Oder man nimmt das Abendmahlsbrot wieder aus dem Mund und lä es in die Büchse (aus Swinemünde und Mellin in der Altmark, KUHN u. SCHWARTZ, XXI,254).

Am Jakobstag (25. Juli) geht der zaubernde Waidmann mit einem Goldstück hinaus und gräbt damit eine Wegwarte aus. Solange er die Wurzel des Krauts bei sich trägt, wird sein Schuß nicht fehlen, sogar die Unsichtbarkeit soll dergestalt erreichbar sein (SIEG, 97).

Besonderes Augenmerk gilt bei der Jagd dem Auge. Wer dauernd Jagdpech leidet, den hat vermutlich der Böse Blick getroffen. Ebenso ungünstig soll es sein, wenn das Wild dem Jäger beim Zielen ins Auge blickt (WEHR, 1991, 133).

Mißgönnt der Jäger dem Jagdkameraden den Jagderfolg, so wünsche er ihm bei einer Begegnung „viel Glück”, sorge dafür, daß dem eine alte Frau begegnet oder daß eine Frau mit ihrer Schürze dem Jagdhund über die Schnauze wischt - all das sind sichere Vorzeichen ausbleibender Beute (ebd.).

Wenn dem Jäger eine weiße Gemse oder ein weißer Hirsch begegnet, dann weiß er, daß seine Jagd bald enden wird - diese seltenen Tiere sollen dem Jäger den Tod ankündigen (ebd.).

Der christliche Waidmann vermeidet Zauberei und Aberglauben und empfiehlt sich lieber dem Schutz des Jagdpatrons Sankt Hubertus. Weitere Schutzpatrone der Jäger sind Martin, Germanus von Auxerre, Ägidius. Iwan und Eustachius. Die Jagd mit dem Falken (Beiz) hat in Bavon und Trifon ihre Fürsprecher, die Parforcejäger in Venantius.
Heidnische Jäger opfern verschiedenen Gottheiten der Jagd (z. B. die Griechen die Artemis, die Römer die Diana).

 

Einige berühmte Jäger

Die griechische Göttin Artemis, die bei den Römern Diana hieß, der griechische Orion oder der Aktaeon, der biblische Nimrod, die nordische Skadi u. v. a.

 

„Frische Septemberluft den Jäger zum Jagen ruft.”

Mit dem Tag des Hl. Eustachius am 20. September beginnt in christlichen Gegenden traditionell die herbstliche Jagd.

Halali und Waidmannsheil.

 

Otto von Corvin fragte 1845: „Wild waren wir immer, aber wann werden wir einmal wild werden?” (Pfaffenspiegel, 228)

Otto von Bismarck soll gesagt haben: „Es wird nie so viel gelogen wie vor einer Wahl, bei einer Beerdigung und nach einer Jagd. ”