| Feste | ||
allem. Fastnacht, Fasnet, Fastelabend. Hiermit ist der vor der am Aschermittwoch beginnenden kirchlich gebotetenen Fastenzeit gelegene Zeitraum gemeint, der entweder mit dem Dreikönigstag (6. Januar) oder dem 11. 11. beginnt und während der sich besonders der Süddeutsche bei allerlei Narreteien, Maskeraden und Umzügen austobt.
Es heißt, mit Lärmen und schreckenerregenden Masken sollen die bösen Geister des Winters vertrieben werden, damit endlich der Frühling einziehen kann.
Während der Faschingszeit sind die Sitten verkehrt (Weiberherrschaft), man verkleidet sich mit Masken, lacht über Fastnachtsspiele, pflegt Heischebräuche und in Form der Büttenrede den Rügebrauch, bei dem der Redner in Verkleidung des Narren der Obrigkeit unangenehme Volksmeinung mitteilt.
Warum die närrischen Wochen Fastnacht und nicht Fastnächte heißen, obwohl die fröhliche Zeit doch etliche Tage und Wochen währt, ist ebenso wenig festzustellen, wie der Ursprung des Namens selbst. Die Fachgelehrten streiten darüber wie über die Bedeutung des Wortes Karneval. (Vom Volksbrauch im Winter, S. 51)
Das Wort Karneval kommt vermutlich aus dem Lateinischen, carne vale heißt Fleisch, lebe wohl. In der Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostern ist der Verzehr von Fleisch verpönt, ebenso die Fleischeslust und überhaupt leibliche Vergnügungen.
Die Fastnachtszeit umfaßt die sechs Tage vom Unsinnigen Donnerstag über den Geschmalzenen Freitag, der auch Rußiger Freitag genannt wird bis zum Faschingsdienstag, dem Höhe- und Schlußpunkt des Faschings. Mit dem Kehraus am Faschingsdienstag wird der Fasching begraben (ausgekehrt), die sechswöchige Fastenzeit beginnt mit dem Aschermittwoch, von dem es heißt An Aschermittwoch ist alles vorbei. Eingeführt wurde der Aschermittwoch von Papst Gregor I., der mit diesem Tag einen deutlichen Schlußpunkt unter die ausgelassenen und ausschweifenden heidnischen Fastnachtsbräuche zu setzen suchte.
Der rheinische Karneval hat seine Besonderheiten, die sich in ihrer heutigen Gestalt etwa im 19. Jahrhundert herausbildeten. Hierher gehört der Beginn der Fünften Jahreszeit am 11. November, der Elferrat, die Narrenmütze, das Schunkeln und die Büttenreden, die Mädchengarden, das Funkenmariechen oder der Rosenmontag, die anderswo in das Fatsnachtsbrauchtum Einzug hielten und nivellierend wirkten, wogegen besonders im schwäbisch-allemannischen Raum das eigene Brauchtum gepflegt wird.
Bekanntes Brauchtum zur Fastnachtszeit sind zudem die Handwerkertänze (München, Nürnberg), das Narrengericht (in Stockach) uvm.
In Ilseburg am Harz verkleiden sich die jungen Bursche (...) zur Fastnachtzeit und ziehen lärmend auf den Straßen umher. Auch backt man daselbst Kuchen in dreieckiger Gestalt zum Fastenabend. In einigen Orten Thüringens, in der Nähe von Wallhausen, sind diese Kuchen viereckig und heißen Kröppeln. (...) In der ganzen Mark backt man zu Fastnacht sogenannte Pfannkuchen. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 5)
In der Chemnitzer Rockenphilosophie heißt es: obstbäume fastnachts beschnitten leiden von raupen und würmern nicht. (GRIMM, A. 154)
Dort liest man auch: fastnachts soll man keine suppe essen, sonst trieft einem stets die nase. (GRIMM, A. 172)
Reichlicher Schnee an den beiden letzten Tagen der Faschingszeit soll auf gute Obsternte und viele Pilze deuten.
Donner am Fastnachtsdienstag soll Wind und reiche Obst- und Getreideernte ankünden.