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Dabei bringt das Wasser nicht allein Leben hervor, es sorgt auch für Zerstörung und Tod, wenn es als Meeresbrandung, Strudel, Hochwasser (Sintflut) oder Eis seine Macht beweist, dem der Mensch nur mit Ehrfurcht begegnen kann.
Die Weite des die Kontinente umspülenden Ozeans markiert die Grenze der Menschenwelt, am anderen Ufer wird das Jenseits angenommen.
Das Wasser gilt als das erste der Elemente, als Mutter aller Dinge arche. Ein sinnlicher Vergleich rückt Wasser und Liebe zusammen. Wie sich das Wasser in der göffneten, hohle Hand halten läßt und entweicht, wenn die Hand sich zur festhaltenden Faust schließt, so wird auch die Liebe bei Zwang zu einem flüchtigen Phänomen.
Durch Vermischung von Feuer und Wasser entsteht im Schöpfungsmythos die Welt. Im nordischen Mythos schmelzen die Funken Muspelheims die Gletscherwasser Hvergelmirs, es ensteht der Riese Ymir (Edda, Wafthrudnirlied 30).
Diese Verbindung der eigentlich unvereinbaren Elemente Feuer und Wasser ist Ziel der Alchimie. Damit die Verschmelzung gelingt, bedarf es eines fünften Elements, der Äther oder Quintessenz (lat., fünfter Bestandteil) genannt wird.
Auch naturgeschichtlich sucht man im Meer den Ursprung des Lebens. Das Meerwasser enthält in ausreichendem Maße alle Grundstoffe, die für das Leben erforderlich sind. Gleichzeitig werden diese Stoffe durch die Brandung genügend gequirlt, daß möglichst viele Verbindungen probiert werden können. Darüber hinaus schützt das Wasser empfindliche Verbindungen vor zu intensiver Strahlung der Sonne, andere werden in ihren Einflußbereich gespült.
Aphrodite entstand, als sich die himmlische Zeugungskraft mit dem irdischen Meer verband. Sie ist nicht allein die griechische Liebesgöttin, sondern Göttin der Fruchtbarkeit überhaupt und als eine Form der Großen Mutter Gebärerin allen Lebens.
Göttinnen, Meerriesen, Wassernymphen und dergleichen sind vielfach ältere Naturgottheiten, die von mehr geistigen Gottheiten verdrängt wurden.
Das reinigende Wasser beseitigt nicht nur Staub und Schmutz, ihm werden auch läuternde Wirkungen zugesprochen, da es zum Beispiel gegen Hexerei schützt, auch Milch kann durch Beimengung von etwas Wasser vor verderblichem Zauber bewahrt werden. Dämonen sollen weniger leicht in ein neues Heim dringen können, wenn beim Bezug ein Eimer Wasser mit hineingebracht wird. Umgekehrt spült man der herausgetragenen Leiche Wasser hinterher, um einen Besuch des Wiedergängers zu vermeiden. Aus ähnlichem Grund werden Leichen gewaschen, damit sich am Verstorbenem keine Dämonen einfinden. Dem Sterbenden wird ein Eimer Wasser zur Seite gestellt, um der Seele eine Reinigung vor Antritt der Reise ins Reich der Toten zu ermöglichen (WEHR, 222).
man gebe keine milch aus dem hause, ohne einen tropfen wasser damit zu vermischen. (aus dem Württembergischen, GRIMM, A. 653)
Zur Ader gelassenes Blut soll stets in fließendes Wasser gegossen werden, rät ein anderer Aberglaube. (GRIMM, A. 1022)
Wasser, besonders fließendes, soll von Dämonen nicht überquert werden können. Wer verfolgt wird, der überquere darum einen Fluß, Graben o. ä.
In der Chemnitzer Rockenphilosophie steht: wäscht man sein geld in reinem wasser und legt salz und brot hinzu, so können der drache und böse leute es nicht holen. (GRIMM, A. 6)
Auch Dieben soll das Wasser nützlich sein denn es heißt: der dieb soll etwas vom gestohlnen ins wasser werfen. (GRIMM, A. 826)
Soll mit Wasser ein Heilmittel bereitet werden, so ist es einem Bachlauf stromabwärts zu schöpfen. Geweihtes Osterwasser (Ostertauf) wird in Eierschalen zum Feld getragen und soll vor Hagelschlag schützen (WEHR, 223). In Osterode am Harz hieß es: wasser, am ersten ostermorgen vor sonnenaufgang, stromabwärts und stillschweigend geschöpft, verdirbt nicht und ist für alles gut. (GRIMM, A. 775)
Wie sauberes Wasser reinigende Wirkung hat, so gilt verschmutztes oder sonstwie beeinträchtigtes für unheilbringend, da es finstere Mächte geradezu anzieht (WEHR, 223).
Wasser kann auch zu Orakelzwecken verwendet werden: mitten in der christnacht nehmen einige ein gefäß mit wasser und messen es mit einem gewissen kleinen maße in ein ander gefäß, dies wiederholen sie etliche mal u8nd sehen dabei zu, ob sie mehr wasser finden, als das erstemal: daraus schließen sie zunahme an hab und gütern im folgenden jahr. findet sich einerlei maß, so glauben sie an einen stillstand des glücks, findet sich aber weniger wasser, an abnahme und rückgang
(GRIMM, Bd. II, Nr. 953, S. 469)
Für Feuer und Wasser soll man nicht danken, es kommt so schon genug, sagte man in Wiitmund in Ostfriesland. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 400)
Nachts Wasser zu trinken sei gefährlich, weil dann im Glas ein Teufel sitze. Damit dessen Macht einen nicht überkomme soll man dreimal in das Glas hineinblasen. (JUNGBAUER i. Handwörterbuch VI,788)
In der Astrologie sind dem Element Wasser die Tierkreiszeichen Krebs, Skorpion und Fische zugeordnet.
Im Tarot findet das Element Wasser seine Entsprechung in den Kelchen der Kleinen Arkana und im Gehängten der Trumpfreihe, auch die Königinnen der vier Farben stehen für die wässrige Seite des jeweiligen Elements.
In Benin/Westafrika gilt es als Zeichen der Gastfreundschaft, dem Besuch einen Schluck Wasser anzubieten.
Seit 1992 soll auf Beschluß der Generalversammlung der Vereinten Nationen jedes Jahr am 22. März, dem Weltwassertag, der überragenden Bedeutung des Wassers gedacht werden.
Dem christlichen Erlöser Jesus wird zugeschrieben, auf dem Wasser des Sees Genezareth gewandelt zu sein.
Der zauberkundige Markgraf Hans aus Schwedt soll mit seiner Kutsche quer über den Ukersee gefahren sein, ihm nach ein Bauer mit seinem Leiterwagen. (KUHN u. SCHWARZ, S. 38,4) Ähnliches erzählt man auch vom Kammerherrn zu Suckow. (ebd., S. 66)
Von den Engelschören entsprechen dem Element Wasser die Erzengel und die Gekrönten (Zuordnung bei Agrippa von Nettesheim, zit. n. BIEDERMANN, 143).
Die mantische Deutung aus Wasser wird Hydromantie genannt, nach Agrippa von Nettesheim eine der vier elementarischen Wahrsagekünste (De Occulta Philosophia, Kap. LVIII; Neudruck p. 274, zit. n. SCHRÖDTER, 72).
Dem Element Wasser entsprechen die hellen und harten Steine. (SCHRÖDTER, 100), Symbol für das Wasser ist auch der Smaragd (BIEDERMANN, 406).
Kenner unter Getränkefreunden bevorzugen den leider sündhaft teuren Dialog von Meerwasser und Aqua dest.