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 Mensch / Zauberei
 
 

Böser Blick

Dem Auge wird eine besondere Macht beigemessen, die als böser Blick (ital. jettatura) von feindlich gesinnten Mächten schadbringend eingesetzt werden kann — so der Aberglaube.

Die Vorstellung vom bösen Blick ist alt und weit verbreitet. „In Scythien und bei den Illyrern gab es Weiber, die — nach den Erzählungen — durch einen zornigen Blick töten konnten.” (De Occulta Philosophia, Kap. XX; Neudruck p. 122, zit. n. SCHRÖDTER, 48) Die altiranische Mythologie kennt die Dämonin Agash als personifizierten bösen Blick. In der keltischen Mythologie ist der einäugige Riese Balor im Besitz des bösen Blicks, den er als todbringende Waffe einsetzte.

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Aus der griechischen Mythologie ist der schreckenerregende Blick der Gorgonen bekannt. Als Perseus eine von ihnen, die Medusa, geköpft hatte, konnte er das abgetrennte Haupt weiter als Waffe einsetzen. Später trugen Zeus, dann Athene das Medusenhaupt an ihrem Schild Aigis. Tempelanlagen schützte man vor bösen Einflüssen mit stilisierten Gorgonenköpfen.

Einen ähnlich mordenden Blick hat der grauenvolle Basilisk, der dem von der Kröte bebrüteten Hahnenei entschlüpft.

Überwiegend wird der böse Blick aber Menschen unterstellt, die auch sonst im Verdacht der Hexerei stehen, besonders alten Frauen. Dabei muß der Aussender dieses Blickes nicht unbedingt böses im Schilde führen. In Westfalen hieß es: „manche menschen haben einen so schädlichen blick (schlimme augen), daß sie durch bloßes ansehen, oft ohne ihr wissen, menschen und vieh in lebensgefahr bringen.” (GRIMM, A. 874) Als anfällig für den bösen Blick gilt nämlich außer dem Menschen auch das Vieh und besonders das Pferd.

Sogar auf Pflanzen sollen derart geheimnisvolle Kräfte schadend einwirken können.
So soll auf junge Kürbispflanzen nicht gezeigt werden, da solches auf den Kürbis eine dem bösen Blick vergleichbare Wirkung habe. (PICKERING, 190)

Den Bösen Blick soll bekommen, wer vor Gericht einen Meineid schwört. (WEHR, 161)

Auch einige Päpste sollen den bösen Blick gehabt haben, Pius IX. galt als jettatore (Träger des bösen Blicks), auch sein Nachfolger Leo VIII., in dessen Amtszeit viele Kardinäle starben. (WALKER, 81)

 

Abwehr des Bösen Blicks

Gegen den Bösen Blick suchte man sich mit allerlei Gegenzaubern zu erwehren. Beispielsweise soll ein Amulett aus Muscheln schützen (WEHR, 167), ein an einer Kette um den Hals gehängter Ring (MALA, 100), Schmuck mit Quecksilber oder vergossenen Tränen, ein am Körper getragener Malachit, ein Tigerauge, um den Hals getragener Wermut oder der Fingerhut.

Traditionsreiche Abwehrmaßnahmen sind Augenamulette aus dem Onyx (Edelsteine in der Medizin Bd. II, 29). Auch der Hämatit wurde empfohlen, insbesondere zum Schutz des jungen Viehs, der Kinder und der schönen Mädchen (ebd., Bd. I, 30).

Menschen mit schwarzen Haaren sollen für bösen Blick weniger anfällig sein.

 

Aber auch abseits okkulter Spekulationen wird dem Blick Aufmerksamkeit geschenkt. Im Gespräch ist es empfehlenswert, beim Reden wie beim Zuhören dem Gegenüber in die Augen zu sehen, die meisten Menschen ist es unangenehm beobachtet zu werden, Fixierung kann als Angriff aufgefasst werden usw. Ein geläufiges Phänomen ist, das eine Person unruhig wird, wenn sie von hinten angestarrt wird.